Sport : Der Nasenstüber von Hannover Torwart Rost und Brdaric im Streit

Andreas Morbach

Hannover. Der Moment der Vergeltung kam spät, aber er kam. Die Partie zwischen Hannover 96 und Schalke 04 war fast vorüber, als Thomas Brdaric vor Frank Rost auftauchte. Rost war extrem bereit, dem hageren Angreifer plötzlich Leid zuzufügen. „Schließlich tanzte der mit seiner Nase direkt auf meiner Nasenspitze herum“, sagte Rost. Also flog er, als Brdaric nach absolvierter Nasenbalz noch einen Kopfstoß nachlegte, wie ein Flummi hoch in die Luft, um kurz darauf aus spektakulärer Höhe auf den Rasen zu krachen. Das gerechte Ende der Aktion: Schiedsrichter Helmut Fleischer zeigte Brdaric die Rote Karte, während Schalkes Keeper mit einer Verwarnung davonkam.

Und Rost war zufrieden. Natürlich wegen des 2:1-Erfolgs der Gelsenkirchener in Hannover, der eine halbe Minute nach der Privatfehde amtlich war. Noch mehr aber wegen des Platzverweises für Brdaric. „Herr Brdaric“, sagte Rost, um seine Verachtung für den 28-jährigen Stürmer deutlich zu machen, mit Herrn Brdaric also „hat es den Richtigen erwischt“. Denn, so Rost: „Wie der schon zu seiner Leverkusener Zeit ständig am Schauspielern war, private Dinge unterhalb der Gürtellinie austeilte, das ging mir schon seit längerem auf den Sack. Oliver Kahn kann auch ein Lied davon singen.“ Ein wenig Selbstkritik fügte Rost noch hinzu, vermutlich, um dem Gesagten größere Tragweite zu geben: „Ich muss mich nicht unbedingt so theatralisch fallen lassen.“ Natürlich nicht.

Vor einem Jahr, als Brdaric noch für Bayer spielte, musste Rost nach einer Notbremse gegen eben jenen Herrn vom Feld. Jetzt hatten sich die Dinge gedreht, und weil die beiden sich nicht mögen, flanierte Hannovers Stürmer auf seinem vorzeitigen Gang in die Kabine nochmals an Schalkes Schlussmann vorbei. Man hat noch einmal gesprochen miteinander. Worüber, wollte Rost anstandshalber nicht erzählen. „Die Worte kann ich nicht wiedergeben.“ Jupp Heynckes erschrak ein wenig, als er im provisorischen Presseraum der Großbaustelle AWD-Arena von Rosts Anmerkungen im Fall Brdaric erfuhr. Kurz den Kopf geschüttelt, dann erklärte Schalkes Cheftrainer in gewohnt vornehmer Diktion: „So etwas gehört eben zum emotionalen Teil des Fußballs. Mancher formuliert das vielleicht feiner. Frank Rost kann das auch.“

Heynckes selbst war es nach Toren von Gerald Asamoah (26.) und Dario Rodriguez (41.), die noch vor der Pause Hannovers Führung durch Thomas Christiansen (16.) drehten, ein Bedürfnis, auch etwas Gutes über sein Team zu sagen. Seine technisch-taktischen Vorstellungen sah er in Hannover immerhin ein Stück weit umgesetzt. „Wir müssen so weitermachen – und noch zielstrebiger abschließen.“ In der Tat, es grenzte doch häufig an Dilettantismus, wie Schalke in der Schlussphase gegen zehn Spieler – Hannovers de Guzman sah in der 68. Minute Gelb-Rot – die Chancen verschluderte. Bisweilen standen sie zu dritt einem Verteidiger aus Hannover gegenüber – und brachten nicht einmal einen Schuss aufs Tor zustande.

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