Sport : Der natürliche Weltmeister Brasilien plant den Titel bei der WM 2006 fest ein

Mathias Klappenbach

Berlin - Der Weltmeister 2006 heißt Brasilien. Mit diesem Selbstverständnis traten die Nationalmannschaft und ihr Trainer Carlos Alberto Parreira schon vor dem Länderspiel in Berlin auf. „Diese Partie im Land des Gastgebers hat natürlich Symbolcharakter“, sagte Roberto Carlos. Der linke Außenbahnspieler von Real Madrid fügte aber hinzu: „Für Deutschland ist es viel wichtiger als für uns.“ Der neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat für die WM im eigenen Land das große Ziel des Titelgewinns ausgegeben. Für die Brasilianer ging es eher darum, sich schon einmal anzuschauen, wo sie denn 2006 das Finale bestreiten werden.

Dabei steht noch gar nicht fest, dass sie überhaupt dabei sein werden. Zum ersten Mal ist der Titelverteidiger nicht automatisch für die nächste WM qualifiziert. Aber Brasilien führt die Südamerika-Gruppe nach acht Spieltagen an, anders als vor der WM in Japan und Südkorea, als der spätere Weltmeister lange um die Teilnahme bangen musste. Doch der perfekte Organisator Parreira, der die Nationalmannschaft bereits zum dritten Mal betreut und 1994 zum WM-Titel führte, hat sehr genaue Vorstellungen davon, wie der Weg bis zum Endspiel 2006 in Berlin aussehen soll. Auch wenn der 61-Jährige seit seinem Amtsantritt Anfang 2003 in 27 Länderspielen schon mehr als 50 verschiedene Spieler eingesetzt hat und Brasilien im Juli die Copa America ohne viele Stammkräfte gewonnen hat, sind die meisten der Plätze im Kader des fünffachen Weltmeisters fest vergeben.

Wenn er seine Stammspieler zur Verfügung hat, setzt Parreira auf eine eingespielte Elf, auch mit dem Spielsystem wird nicht experimentiert. Dass Brasilien sich in den 18 Qualifikationsspielen der Südamerika-Gruppe für 2006 qualifizieren muss, sieht Parreira sogar als Vorteil an, weil er seine Wunschformation öfter zusammenspielen lassen kann. Im Gegensatz zu Jürgen Klinsmann, der ein neues Team mit einer neuen Spielphilosophie aufbauen muss, hat Brasiliens Trainer die Aufgabe, die Aura und die innere Organisation des nach eigener Ansicht naturgegebenen Fußball-Weltmeisters aufrecht zu erhalten.

Und das gelingt ihm, obwohl er selbst so große Talente wie Diego (FC Porto) oder das „Wunderkind“ Robinho (FC Santos) nur nach und nach in die Mannschaft einbaut und in der Heimat oft dafür kritisiert wird. „Für mich ist eine große Ehre, im Kader zu stehen. Ich weiß gar nicht, ob ich so ein ’Wunderkind’ bin“, sagt der 20-jährige Robinho artig. Wie die anderen brasilianischen Spieler tritt er bescheiden, sympathisch und umgänglich auf, mit der Souveränität eines Siegers. „Ich bin glücklich, dass wir so eine gute Mannschaft haben und ich fühle mich wohl in Deutschland“ sagte Ronaldo. Er hätte auch sagen können: Ich freue mich jetzt schon auf das Endspiel in Berlin.

Wann Deutschland und Brasilien 2006 aufeinander treffen können, steht wegen des Modus jetzt schon fest: Im Finale oder gar nicht.

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