Sport : Der nächste Schritt

Nadja Petrowa steht in Berlin im Viertelfinale und will ihren Titel erfolgreich verteidigen

Stefan Hermanns

Berlin - Nadja Petrowa hat in dieser Woche einige überraschende Entdeckungen gemacht: Dass Berlin auf der Anlage des Tennisklubs Rot-Weiß zurzeit aussieht wie eine arabische Enklave, an der Stadt hat sie die Weite überrascht und das viele Grün, aber eine besondere Erfahrung war für sie, überall in Berlin ihr Gesicht zu sehen. Für Nadja Petrowa, die Tennisspielerin aus Russland, scheint ihre Präsenz als Werbefigur neu zu sein. Dass sie auf den Plakaten, den Tickets und dem Programmheft für die German Open zu sehen ist, hat einen triftigen Grund: Sie hat das Turnier im vergangenen Jahr gewonnen.

Man kann nicht behaupten, dass Petrowa im Moment das Gesicht des russischen Frauentennis ist, aber auf eine gewisse Weise repräsentiert sie es perfekt: Die 24-Jährige zählt als Weltranglisten-Neunte zu den besten Spielerinnen der Welt, sie spielt mit großer Wucht und verfügt über eine solide sportliche Stärke. Doch Solidität ist nicht das, wonach die Öffentlichkeit sich verzehrt. Zumal dann nicht, wenn sie – wie im russischen Tennis – im Übermaß vorhanden ist. Das russische Frauentennis ist, wenn man so will, eine multiple Persönlichkeit mit so vielen Gesichtern, dass man leicht den Überblick verlieren kann.

Unter den Top Ten der Weltrangliste finden sich vier Russinnen, und von den 56 Teilnehmerinnen der German Open kommen zehn aus Russland. Nadja Petrowa hat „sehr schöne Erinnerungen“ an die German Open. In den vergangenen beiden Jahren stand sie im Finale, jeweils gegen die Belgierin Hénin: 2005 verlor sie, 2006 gelang ihr die Revanche.

Sieben Turniere hat Petrowa im Verlauf ihrer Karriere gewonnen, doch noch nie hat sie es geschafft, einen Titel im darauf folgenden Jahr erfolgreich zu verteidigen. In Berlin ist das nun ihr ausdrückliches Ziel. „Es wäre der nächste Schritt meiner Karriere“, sagt Petrowa. Dem ist sie gestern ein entscheidendes Stück näher gekommen. Gegen ihre Landsfrau Jelena Dementjewa gewann sie nach einer ausgiebigen Regenunterbrechung 6:3, 6:3. Durch den Erfolg steht Petrowa im Viertelfinale, in dem die Russin morgen erneut auf eine Russin trifft: auf die an Nummer zwei gesetzte Swetlana Kusnetsowa.

Der Erfolg gegen Dementjewa könnte Petrowa neue Zuversicht geben. Nach dem frühen Aus in Warschau (in der zweiten Runde) und ihrem mühsamen ersten Auftritt in Berlin hatte sie noch grundsätzliche Zweifel an ihrer Form geäußert. Zwar gewann Petrowa das Match gegen die Französin Severine Bremond in zwei Sätzen, doch anschließend klagte sie: „Ich war mit meinem Kopf irgendwo anders.“ Gegen Dementjewa war von derartigen Abschweifungen nichts zu bemerken. Nur das grausige Berliner Wetter verhinderte einen schnellen Triumph Petrowas. Beim Stand von 6:3, 2:1 musste das Match unterbrochen werden. Fast drei Stunden dauerte es bis zu seiner Fortsetzung, und es sah zunächst so aus, als könnte Dementjewa daraus den größeren Vorteil ziehen. Sie nahm ihrer Gegnerin den Aufschlag ab, doch dann kämpfte Petrowa sich zurück. „Bei solchen Bedingungen sind die mental stärkeren Spielerinnen im Vorteil“, sagte sie. Das war an diesem Tag Nadja Petrowa.

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