Sport : Der Nebendarsteller

Nach Robert Hoyzer gilt nun auch Schiedsrichter Dominik Marks als schuldig

Sven Goldmann,Friedhard Teuffel

Berlin - Dominik Marks verbindet einiges mit Robert Hoyzer. Er mag modische Kleidung, er hat Interesse am Geld, er schätzt einen aufwendigen Lebensstil. Doch hat der 29 Jahre alte Schiedsrichter aus Stendal deshalb ebenso für Geld Fußballspiele manipuliert wie Hoyzer? Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat jedenfalls schon sein Urteil gefällt, indem es das Regionalligaspiel zwischen den Amateurmannschaften von Hertha BSC und Arminia Bielefeld wiederholen lässt. Das Spiel leitete Marks.

Der Schiedsrichterskandal hat nun einen Haupt- und einen Nebendarsteller sowie drei Hintermänner. Die Hintermänner sind die drei inhaftierten kroatischen Brüder S., die bei den manipulierten Spielen Wettgewinne in Millionenhöhe erzielt haben sollen, der Hauptdarsteller ist Hoyzer und der Nebendarsteller Marks. Dennoch ranken sich Zweifel um Marks. Es gibt bislang kein Geständnis von ihm, im Gegenteil: Marks bestreitet alle Vorwürfe. Die einzige Beweisgrundlage sind Hoyzers Aussagen, dass er Marks vor dem Spiel 7000 Euro für die Manipulation des Spiels überreicht habe. 1000 Euro davon habe Marks zurückzahlen müssen, weil Hoyzer sein eigenes Spiel in der Dreierwette nicht erfolgreich beeinflussen konnte. Die Übergabe sei am Küchentisch in Marks Wohnung erfolgt. Das Motiv für eine mögliche Manipulation durch Marks hatte Hoyzer der Staatsanwaltschaft auch noch mitgeteilt: hohe Steuerschulden und akute Geldnot.

Dominik Marks ist seit Bekanntwerden der Vorwürfe aus der Öffentlichkeit verschwunden. Als die Staatsanwaltschaft Anfang Februar seine Wohnung durchsuchte, traf sie ihn nicht an. Freunde vermuten, er habe sich mit dem Ende seiner Schiedsrichterkarriere längst abgefunden, es gehe nur darum, ein strafrechtliches Verfahren zu einem für ihn guten Ende zu bringen. Schon vor drei Wochen hatte der DFB eine Vorsperre gegen ihn ausgesprochen. Zu der Verhandlung des Sportgerichts am Donnerstag in Frankfurt am Main erschien Marks nicht. „Es stimmt einfach nicht, dass Herr Marks bereit ist, sich von mir vernehmen zu lassen. Es besteht weiter dringender Tatverdacht“, sagte Rainer Koch, der Vorsitzende des Sportgerichts.

Dem DFB hatte Marks nur eine schriftliche Erklärung zukommen lassen: „Sollte Hoyzer mich der Manipulation bezichtigen, dann lügt er. Die Vorwürfe von Hoyzer machen mich fassungslos. Ich habe ein reines Gewissen.“ Ähnliche Erklärungen hatte er zuvor schon über seine Leipziger Rechtsanwältin Astrid Koch verbreiten lassen. Marks kam vor ein paar Jahren aus Sachsen-Anhalt zum Studium der Betriebswirtschaft nach Berlin. Mit seiner Frau und kleinem Sohn bezog er eine Wohnung in Friedenau. Im Herbst vergangenen Jahres fand er eine Anstellung bei einer renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Zu seinen Schiedsrichterkollegen hatte Marks wenig Kontakt, mehr zu seinen alten Freunden aus Sachsen-Anhalt und zu seinen Kommilitonen. Montags trainierte er bei der Lehrgemeinschaft Charlottenburg. Leiter dieser Schiedsrichter-Lehrgemeinschaft war Hoyzer. Die Verbindung zu Hoyzer reicht zurück in das Jahr 2002, als Marks zum Schiedsrichter der Zweiten Bundesliga aufstieg und der damalige Regionalliga-Schiedsrichter Hoyzer als Assistent zu seinem Team zählte.

Bekannte glauben, es sei ihm nicht wie Hoyzer um Anerkennung, sondern nur um das Geld gegangen. Insider halten ihn für intelligenter als Hoyzer. Es gibt keinen Zeugen, der Marks beim Prahlen über Manipulationen erlebt hat. Auch bei dem aktenkundigen Treffen mit dem Schiedsrichterkollegen Torsten Koop, den Hoyzer für Manipulationen gewinnen wollte, habe Marks sich um Zurückhaltung bemüht. Hoyzers Ausführungen während des Schiedsrichter-Lehrgangs in Frankfurt soll er schweigend verfolgt haben.

Seine Karriere hatte sich Marks mit viel Fleiß erarbeitet, über die Zweite Liga hinaus hätte er es wohl nicht geschafft. Nach dem Urteil des Sportgerichts scheint seine Laufbahn beendet. Außerdem soll Marks das Zweitligaspiel Karlsruhe gegen Duisburg verpfiffen und dafür 30000 Euro erhalten haben. Die habe er in ein Auto für seine Frau investiert. Das Auto hat die Staatsanwaltschaft angeblich gepfändet.

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