Sport : Der nette Brief mit dem seltsamen Datum

Beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Union sorgt ein Dankesschreiben des Vereins für Verwirrung bei den Spielern

Karsten Doneck

Berlin. Der Brief war nett formuliert. Man bedanke sich für das Verständnis der Spieler, stand da unter anderem. Das Schreiben war gerichtet an die acht Fußballprofis des 1. FC Union, die noch unter alten Verträgen bei dem Berliner Zweitligisten spielen. Die hatten sich mit dem Präsidium am Montag über eine neue Punktprämie geeinigt. Statt 250 Euro wie zu Beginn der vorigen Saison erhalten die Spieler nun 150 Euro pro Punkt, mehr gebe der Etat nicht her, entschuldigte sich das Präsidium. So weit, so gut.

Das Dankesschreiben machte die betroffenen Profis jedoch stutzig. Von „gewissen Missverständnissen“ spricht Kapitän Steffen Baumgart. Der Brief trägt das Datum 17. Juli 2003. Baumgart sagt: „Unser erstes Gespräch mit Herrn Hofmann in dieser Angelegenheit hat am 19. Juli stattgefunden.“ Es gab eine weitere, abschließende Gesprächsrunde am 28. Juli. Erst danach traf der freundliche Brief ein – datiert auf den 17. Juli, unterzeichnet von Präsident Heiner Bertram und Geschäftsführer Hofmann. Der Verdacht liegt nahe, dass Union nur Scheinverhandlungen mit den Spielern geführt hat, sich auf Kompromisse gar nicht einlassen wollte. Baumgart mag das nicht kommentieren. „Wir haben uns auf den Sport zu konzentrieren“, sagt er bissig. Alles sei auf „einen Fehler im Sekretariat“ zurückzuführen, rechtfertigte sich Bertram gestern und entschuldigte sich bei Baumgart.

Der Klub verweist darauf, dass Prämien eine freiwillige, kürzbare Leistung des Arbeitgebers sind. Dass bei Union nur acht Spieler betroffen sind, liegt daran, dass der Verein mit allen anderen Spielern neue Verträge ausgearbeitet hat, in denen eine individuelle Prämienregelung vereinbart wurde. Union hatte schon im letzten Winter die Punktprämie von 250 auf 125 Euro gesenkt. Insofern gibt es für die Spieler jetzt sogar eine Kleinigkeit mehr. Vielleicht halten es die Union-Profis ja wie ihr Trainer Mirko Votava. Der sagt: „In der heutigen Zeit muss man ja schon froh sein, wenn man sein Geld überhaupt noch pünktlich bekommt.“

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