Sport : Der nette Onkel ist erzürnt

Unions Trainer Mirko Votava verschärft nach dem schwachen Heimspiel den Ton

Karsten Doneck

Berlin. Die Szene ging Mirko Votava nicht aus dem Sinn. Eine dreiviertel Stunde nach Spielschluss schilderte der Trainer im kleinen Kreis gestenreich noch mal sein Schockerlebnis. „Da kommt Sixten Veit rein, hat gleich diese Chance…“ Und dann? Votava unterbricht sich, schlägt wütend mit seiner rechten Hand in die linke, ehe er fortfährt: „So ein Ding muss doch auch mal rein gehen, dann sind auch die Fans zufrieden.“

Aber nach dem 0:0 des 1. FC Union daheim gegen den SSV Reutlingen waren weder die Fans noch Unions Trainer zufrieden. Selbst die Entschuldigung, die SSV-Trainer Frank Wormuth für den öden Kick zum Besten gab, wollte niemand hören. „Hier hat 1 B gegen 1 B gespielt“, sagte Wormuth, früher Profi bei Hertha BSC, angesichts der vielen Ersatzleute auf beiden Seiten.

Mirko Votava machte besonders finstere Miene zum grottenschlechten Spiel. Wen wundert’s? Nach dem 0:3 zehn Tage zuvor gegen den 1. FC Köln war schon öffentlich darüber diskutiert worden, ob dieser Votava denn bei Union der richtige Mann am richtigen Platz sei. Solche Diskussionen münden für Trainer nicht selten im Jobverlust. Votava weiß das, und er wehrt sich, indem er längst nicht mehr alles, was auf dem Spielfeld verkehrt läuft, auf seine Kappe nimmt. Das hat er zu Beginn seiner Dienstzeit in Köpenick getan. Er gab den netten Onkel, die Spieler konnten sich herrlich aus ihrer Verantwortung stehlen. Jetzt gibt es keine Alibis mehr. Auch nicht für Sixten Veit bei der vergebenen Chance rund 20 Minuten vor Schluss.

Der Umgangston zwischen Trainer und Mannschaft hat sich ohnehin verschärft. „Wir spielen gegen den Abstieg, da muss es ganz anders krachen“, sagt Votava, der bei manchem Profi angesichts der brisanten Lage den letzten Einsatz vermisst. So dürfen es die Union-Spieler auch keineswegs als Belohnung verstehen, dass das am Sonntag vorgesehene Testspiel gegen Amica Wronki abgesagt wurde. „Wir haben keine Leute“, sagt Votava. Zu allen Verletzten gesellte sich gegen Reutlingen auch noch Salif Keita. Er erlitt einen Muskelfaseriss im Oberschenkel.

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