Sport : Der Netz-Skandal

Leverkusen gewinnt durch ein irreguläres Tor 2:1 – Hoffenheim erwägt Protest.

Phantomtor. Durch ein Loch im Netz rutschte der Kopfball von Kießling ins Tor. Foto: dpa
Phantomtor. Durch ein Loch im Netz rutschte der Kopfball von Kießling ins Tor. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Stefan Kießling wendete sich ab und raufte sich die Haare. Zwanzig Minuten vor dem Ende des Bundesligaspiels bei der TSG Hoffenheim hatte der Stürmer von Bayer Leverkusen den Ball neben den linken Pfosten geköpft. Doch plötzlich wurde gejubelt. Seine Mitspieler umringten und umarmten seltsam zurückhaltend ihren Angreifer, der gar nicht zu verstehen schien, wie ihm geschah. Der Ball war durch ein Loch im Außennetz in das Tor gefallen und Schiedsrichter Felix Brych hatte auf 2:0 für die Gäste entschieden.

Brych sprach zwar noch einmal mit Kießling, aber blieb letztlich bei seiner fatalen Fehlentscheidung. Auch als die Gastgeber, die zunächst selbst überrascht wirkten, das Loch im Netz entdeckten und den Schiedsrichter darauf hinwiesen. Es blieb beim 2:0-Zwischenstand der Partie, die Leverkusen am Ende 2:1 (1:0) gewann und so vorläufig die Tabellenführung übernahm – dank des irregulären Treffers.

„Wir erwägen definitiv, Protest einzulegen“, sagte Hoffenheims Manager Alexander Rosen nach dem Schlusspfiff. „Es war klar kein Tor. Da gibt es keine zwei Meinungen, das ist skandalös.“ Rudi Völler konterte: „Ein Rat an die Hoffenheimer Freunde: Sie haben so viel Geld für ein schönes Stadion ausgegeben“, sagte Leverkusens Sportdirektor, „da sollten sie auch Geld für gescheite Netze ausgeben.“ Das Loch im Netz wurde später zugeknotet.

Zuletzt gab es 1994 ein ähnliche Situation, als Thomas Helmer vom FC Bayern München im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg den Ball neben das Tor setzte, aber der Ball ebenfalls durch ein Loch durch das Netz rutschte. Die 2:1-Spielwertung wurde im Nachhinein für irregulär erklärt und die Partie später wiederholt, Bayern gewann 5:0.

Nach Schlusspfiff gab es Pfiffe vom Publikum für Schiedsrichter Brych, der zuvor schon ein wohl reguläres Tor des Hoffenheimers Kevin Volland wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannt hatte. Die Spieler und Verantwortlichen diskutierten noch lange auf dem Platz. Kießling berichtete in einem Fernsehinterview: „Ich kann es nicht beurteilen, weil ich mich weggedreht hatte. Ich habe auch dem Schiedsrichter gesagt, dass ich überrascht war.“ Im Hintergrund riefen hörbar aufgebrachte Fans den Namen des Stürmers. „Das fühlt sich blöd an, man wird hier beleidigt, dabei kann man persönlich nicht wirklich was dazu.“

Brych litt ebenfalls unter den Anfeindungen. „Ich hatte leichte Zweifel, aber es hat mir keiner gesagt, dass der Ball nicht im Tor war“, sagte der Schiedsrichter. „Für mich ist das jetzt auch keine tolle Situation, ein Tor zu geben, das keins war.“

Der Hoffenheimer Kapitän Andreas Beck sagte: „Als Sportler wünscht man sich ein Wiederholungsspiel.“ Und sein Trainer Markus Gisdol ergänzte: „Alles andere als ein Wiederholungsspiel wäre ein Witz – wenn Bayern München eines bekommt und wir nicht.“

Auch Rudi Völler war es „unangenehm, durch so ein Tor zu gewinnen“. In Richtung des Schiedsrichters sagte der Sportdirektor jedoch: „Er hat, nachdem er seinen Fehler bekommen hat, alles versucht, dass das Spiel 2:2 ausgeht. Der Foulelfmeter gegen uns war ein Witz.“ Zehn Minuten nach dem Phantomtor war Hoffenheims Firmino wohl außerhalb des Strafraums im Duell im Roberto Hilbert zu Boden gegangen. Den zweifelhaften Elfmeter von Firmino hielt der Bayer-Torwart jedoch.

Bayer verdrängte durch den skandalösen Sieg zumindest für einen Tag Titelverteidiger FC Bayern München von Platz eins. Sidney Sam hatte mit seinem siebten Saisontor vor 25 213 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena den siebten Saisonsieg von Bayer eingeleitet. Der Anschlusstreffer von Sven Schipplock zwei Minuten vor Schluss kam zu spät. Ebenso wie die Proteste. Falls es nicht doch zu einem Wiederholungsspiel kommt. Tsp

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