Sport : Der Neu-Berliner

Auch DSB-Präsident Richthofen unterstützt jetzt eine Olympiabewerbung

S. Beikler[S. Leber],C. Frey[S. Leber],F. Teuffel

Berlin - Einer der engagiertesten Gegner einer Berliner Olympiabewerbung hat es sich anders überlegt. Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) Manfred von Richthofen hatte seiner Heimatstadt bisher alle Chancen abgesprochen, weil die Berliner Bevölkerung und die Berliner Wirtschaft eine Bewerbung nicht ausreichend unterstützten. Jetzt sagte er dem Tagesspiegel: „Berlin ist eine sehr attraktive Stadt für Sommerspiele.“

Kaum sind die Olympischen Sommerspiele 2012 an London vergeben, ist die Diskussion über einen deutschen Kandidaten in vollem Gange. Das Nationale Olympische Komitee (NOK) wird eine Kommission einsetzen, die sich zunächst mit der Frage beschäftigt, ob Deutschland ins Rennen um Sommer- oder um Winterspiele geht. Für weitere Sommerspiele hatte Hamburg schon vor einiger Zeit seine Bereitschaft erklärt.

Auch Richthofen hält Hamburg für geeignet, neu ist jedoch seine Sympathie für Berlin. „Die Berliner haben jetzt das Gefühl, dass in ihrer Stadt verstärkt Großereignisse stattfinden müssen. Sie haben eingesehen, dass ihre Stadt von solchen Glanzlichtern lebt.“ Eine Anti-Olympiakampagne wie bei der Bewerbung um die Spiele 2000 werde es nicht mehr geben, sagte Richthofen. Die Berliner Wirtschaft sei zwar nicht so stark wie die Hamburgs, aber bei einem neuen Anlauf sei der Hauptstadt die Unterstützung der nationalen Wirtschaft sicher. „Berlin war beim letzten Versuch keine wirkliche nationale Bewerbung. Jetzt haben wir andere Voraussetzungen“, sagte der DSB-Präsident.

Der Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer Werner Gegenbauer hatte eine Berliner Bewerbung schon für die Spiele 2012 anschieben wollen. Er befürwortet nun sogar eine Bewerbung für 2016, obwohl einem europäischen Kandidaten nach Londons Erfolg kaum Chancen eingeräumt werden. „Es ist notwendig, beim Internationalen Olympischen Komitee präsent zu sein. Über den Aufwand darf man sich streiten“, sagte Gegenbauer. Mit einer Bewerbung dokumentiere Berlin die Ernsthaftigkeit seiner olympischen Absichten. Um beim IOC Erfolg zu haben, sei es durchaus hilfreich, auch einmal zu verlieren, sagte Gegenbauer. „Daraus kann man nur lernen. Wir hätten die Leichtathletik-WM 2009 wahrscheinlich auch nicht nach Berlin holen können, wenn wir nicht mit unserer Bewerbung für 2005 gescheitert wären.“

Für Senatssprecher Michael Donnermeyer ist Gegenbauers Idee nicht abwegig. „Eine Bewerbung 2016 kann sinnvoll sein“, sagte er. Allerdings lehnt der Senat einen Wettstreit mit Hamburg ab. „Sollten die Sportverbände der Auffassung sein, dass eine deutsche Bewerbung richtig ist, steht Berlin zur Verfügung.“ Über eine mögliche Bewerbung Berlins wolle der Senat daher zunächst mit den Sportverbänden Gespräche führen. Auch die sportpolitische Sprecherin der SPD im Abgeordnetenhaus Karin Seidel-Kalmutzki wollte eine Bewerbung für 2016 nicht ausschließen, ihr CDU-Kollege Axel Rabbach unterstützt eine Kandidatur für 2016 sogar „ohne Wenn und Aber“. PDS-Fraktionschef Stefan Liebich lehnt eine Bewerbung dagegen auch für 2020 ab. Berlin habe andere Sorgen. Holger Lunau, Sprecher der Berliner Industrie- und Handelskammer, sagte: „Wenn Sport, Landespolitik und Bevölkerung die Bewerbung unterstützen, wird sich die Wirtschaft anschließen.“

Zunächst will das NOK allerdings über seine Präferenz für den Sommer oder den Winter nachdenken. Ein deutscher Beitrag mit München 2018 hat nach Richthofens Ansicht gute Aussichten auf Erfolg. „Der Deutsche Ski-Verband hat international großen Einfluss, und wir sind Wintersportnation Nummer eins. Eine Bewerbung um Winter- und Sommerspiele sei allerdings nicht sinnvoll: „Damit machen wir uns lächerlich.“

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