Sport : Der neue Enthusiasmus

Robert Ide

begrüßt Jürgen Klinsmanns Entscheidung für Berlin Beim letzten Länderspiel der Fußball-Nationalmannschaft in Leipzig hatte Jürgen Klinsmann in der Kabine einen Zettel aufgehängt. Darauf waren Begriffe aufgeführt, die dem neuen Bundestrainer besonders wichtig sind; angeordnet in einer Kaskade. Das Schlüsselwort ganz unten hieß – Enthusiasmus.

Der deutsche Fußball ist aus der alten Zeit gefallen. Jürgen Klinsmann hat am Donnerstag das Quartier seiner Spieler für die WM 2006 ins Zentrum der Berliner Republik verlegt – weg vom beschaulichen Leverkusen, weg von der Gemütlichkeit der alten Bundesrepublik. Die Botschaft, die davon ausgeht, lautet: Es geht jetzt um Aufbruch, um Leistung, um nicht weniger als den Weltmeistertitel.

Jürgen Klinsmann hat den Deutschen Fußball-Bund aus seiner Erstarrung geweckt. Dazu hat er getroffene Absprachen vernachlässigt, dazu hat er verdiente Mitstreiter aussortiert. Nun hat der zwischen Amerika und Deutschland pendelnde Trainer sogar den gerade gewählten DFB-Präsidenten Theo Zwanziger bloßgestellt. Der hatte in der Quartierfrage auf die Verabredungen mit Leverkusen gepocht. Doch das Alte zählt nicht mehr. Klinsmanns Reformeifer verursacht auch manche Verletzung. Doch die wird bis zur Weltmeisterschaft dem Enthusiasmus untergeordnet.

Der Geist von Spiez, der Geist von Malente – irgendwie klang das immer ein wenig kleingeistig. Nun will Jürgen Klinsmann in Berlin den Titel holen. So einen Enthusiasten gab es im deutschen Fußball lange nicht.

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