Sport : Der neue Marcelinho

Yildiray Bastürk hat den formschwachen Brasilianer bei Hertha BSC als Spielgestalter abgelöst

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Ganz gleich, welcher Mitspieler Yildiray Bastürk charakterisiert, er beginnt mit diesem Satz: „Yildiray ist ein ruhiger Typ.“ Pause. Und sonst? „Er ist ein Führungsspieler“, sagt zum Beispiel Malik Fathi, der Verteidiger von Hertha BSC. Bastürk rede nicht viel, „aber wenn er etwas erzählt, dann sind die anderen ruhig“, sagt Fathi. Der 19-jährige Kevin- Prince Boateng sagt: „Er kann mir viel beibringen. Für mich ist Yildiray der beste Spieler der Bundesliga.“

Den Status als Führungsspieler hat sich Bastürk durch seine Leistung verdient. Als einer der wenigen Profis von Hertha spielt er in dieser Saison konstant auf hohem Niveau. Das verschafft ihm Einfluss. Als es im Januar darum ging, ob Hertha am neuen 4-4-2-System festhält oder wie in der abgelaufenen Spielzeit mit einem 4-5-1 auftritt, ergriff Bastürk Partei für die alte Spielweise. In der erhält er mehr Freiheiten, Bastürk darf gemeinsam mit Marcelinho in der Mitte wirbeln. Ob die Worte von Bastürk Herthas Trainer Falko Götz tatsächlich zu einer Umstellung bewegt haben, ist nicht geklärt. Aber kurz nachdem der türkische Nationalspieler seinen Wunsch geäußert hatte, spielte Hertha wieder mit der alten Taktik.

Auch die Vereinsführung hat Bastürks Entwicklung zur Kenntnis genommen. Als sich der Mannschaftsrat Mitte Februar nach einem 0:1 zu Hause gegen Rapid Bukarest mit Manager Dieter Hoeneß und Falko Götz traf, wurde auch Bastürk eingeladen. Der 27-Jährige gehört eigentlich nicht zum Mannschaftsrat. In dem zweistündigen Gespräch wurde unter anderem über den nicht anwesenden Marcelinho gesprochen. Bastürk und andere Spieler plädierten dafür, den Brasilianer trotz seiner Formschwäche weiter spielen zu lassen. Marcelinho durfte weiter von Beginn an auflaufen. Vielleicht wird das heute, beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, nicht der Fall sein. Der 30-Jährige spielt seit Monaten schwach. Götz will sich aber noch nicht festlegen, ob er seinen besten Spieler der vergangenen Saison, in der Marcelinho 18 Tore geschossen und 14 Vorlagen gegeben hatte, tatsächlich auf der Reservebank sitzen lässt. „Mit dieser Entscheidung habe ich Zeit bis Samstag“, sagt Götz.

Bastürk würde es gut gefallen, wenn Marcelinho eine erneute Chance erhielte, auch weil er an seiner Seite mehr Freiheiten zum Spielen hat. „Er ist in einer schwierigen Phase. Wir müssen versuchen, ihn da gemeinsam herauszuziehen“, sagt Bastürk. Vielleicht ist der Türke auf dem Spielfeld so etwas wie der neue Marcelinho. Derjenige, der 90 Minuten lang über den Platz rennt. Der, dem der Ball in jedem Angriff zugespielt wird. Der Lenker und Ideengeber.

Diese Rolle ist zum Teil neu für Bastürk. Bislang war er meist der Zuarbeiter für einen anderen. Im vergangenen Jahr spielte Bastürk eine gute Saison hinter Marcelinho. In diesem Jahr glänzt der 1,68 Meter große Bastürk als alleiniger Antreiber im Mittelfeld. Bastürk selbst glaubt, dass seine gute Form vor allem mit seiner Fitness zusammenhängt. Im vergangenen Jahr plagten ihn verschiedene Verletzungen. „Ich konnte die Vorbereitung auf die Rückrunde voll durchziehen, das ist sehr wichtig für mich“, sagt er. Das Ergebnis davon ist fast jedes Wochenende auf dem Platz zu sehen.

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