Sport : Der neue Markt am Betzenberg

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Oliver Trust über die Geschäfte

des 1. FC Kaiserslautern

Geschäfte im Südwesten der Republik laufen nach einem einfachen Muster ab. Der eine hilft dem anderen. Geschäft und Gegengeschäft. Im Fußballklub 1. FC Kaiserslautern war das nicht anders. Der eine verkauft Versicherungen an den ganzen Verein inklusive Mannschaft und sitzt im Aufsichtsrat. Der andere bezieht Fanartikel lieber von seinem Sohn als anderswoher und sitzt im Vorstand.

Und früher, wenn der 1. FC Kaiserslautern seine Pressekonferenzen auf Weingütern in der Pfalz abhielt, mussten die bedauernswerten Winzer die Getränke selbst bezahlen. Schließlich waren die Könige der Pfalz zu Gast. Wie schnell wächst da der Drang, sich selbst ein Denkmal zu errichten. Jürgen Friedrich, der frühere Vorstandschef, und Robert Wieschemann, der frühere Vorsitzende des Aufsichtsrats, hatten diesen Traum. Ein tolles WM-Stadion für 2006, eine gute Mannschaft, Erfolg und ein Abgang mit Beifall. Es würde schon gut gehen. Ohne Absicherung baute man am Fritz-Walter-Stadion. Ohne gültige Kreditverträge. Nun steht der Klub vor der Pleite. 17,8 Millionen Schulden. Ohne den Verkauf der Transferrechte an Miroslav Klose („Einziger verbliebener Vermögenswert") für fünf Millionen Euro wäre alles zu Ende.

Man wird an den Neuen Markt erinnert. An die Luftblase, die an der Börse geplatzt ist. Wie am Neuen Markt stellt sich nun auch in Kaiserslautern die Frage nach Kontrollen. Da darf sich nicht nur das Umfeld des Vereins und der in vieles verstrickte Aufsichtsrat angesprochen fühlen, sondern auch die im Klub sehr einflussreiche Landesregierung von Rheinland-Pfalz. Schließlich sitzt Innenminister Walter Zuber im Aufsichtsrat und Geschäftsführer Gerhard Herzog gilt als verlängerter Arm von Ministerpräsident Kurt Beck, der wiederum bekennender FCK-Fan ist. Aber auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und zuvor der Deutsche Fußball-Bund (DFB) müssten ins Grübeln kommen. Denn beide erteilten dem 1. FC Kaiserslautern stets brav die Lizenz.

Vielleicht wäre es Zeit für verbindliche Richtlinien. Millionen Steuergelder werden in den Fußball gepumpt. Dem Image manches Politikers und der Eitelkeit manches Funktionärs mag das zuträglich sein. Der Steuerzahler aber darf sich zu Recht über Dilettantismus ärgern, der wieder einmal keine Auswirkungen hat.

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