Der neue Präsident der IAAF : Sebastian Coe: Der Retter mit den Fragezeichen

Sebastian Coe ist der neue Präsident des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF) - doch ist er auch der Retter der Leichtathletik?

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Jetzt bin ich ein Olympionike! Sebastian Coe nach seinem Sieg über 1500 Meter in Moskau 1980 vor Jürgen Straub aus der DDR und seinem Landsmann Steve Ovett.
Jetzt bin ich ein Olympionike! Sebastian Coe nach seinem Sieg über 1500 Meter in Moskau 1980 vor Jürgen Straub aus der DDR und...Foto: AFP

Das muss der Retter der Leichtathletik sein. Zweimaliger Olympiasieger über 1500 Meter, also der Mittelstrecke, die Athletik und Taktik miteinander vereint. Organisationschef der Spiele vor drei Jahren in London, an die sich so viele mit glänzenden Augen erinnern. Weltgewandte Persönlichkeit, gutaussehend, mit einem Akzent, mit dem man Englisch kaum schöner sprechen kann. Und dann scheint dem 58 Jahre alten Briten auch noch wirklich etwas an der Zukunft seiner Sportart zu liegen. Sebastian Coe, der neue Präsidenten des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF), bringt anscheinend beste Voraussetzungen mit für das höchste Amt in der internationalen Leichtathletik.

Das soll der Retter der Leichtathletik sein? Berichte der ARD und der „Sunday Times“ über Dopingverfehlungen in der Leichtathletik und Versäumnisse in der IAAF (hier zu finden in der ARD-Mediathek) nannte Coe eine „Kriegserklärung an meinen Sport“. Die Sportmarketingagentur CSM, der er vorsteht, bekommt überall Aufträge und lässt Coe immer mitverdienen. Er berät außerdem noch den Sportartikelgiganten Nike. Geht es ihm nicht vielleicht doch mehr ums Geschäft als darum, seiner angeschlagenen Sportart wieder auf die Beine zu helfen?

Sebastian Coe holte die Olympischen Spiele 2012 nach London

Das ist bei jemandem wie Coe besonders schwer zu beantworten. Weil er mal der vornehm-kühle Lord Coe sein kann und mal der sportlich-kumpelhafte Seb. Weil er Botschaften formuliert. So hat er etwa 2005 mit einer Rede die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) rumgekriegt, nicht für Paris als Ausrichter der Spiele 2012 zu stimmen, obwohl es ein überragendes Konzept hatte. „Als ich zwölf war, saß ich mit meinen Klassenkameraden vor einem alten Schwarz-Weiß-Fernseher und habe die Olympischen Spiele von Mexiko gesehen“, erzählte er den Mitgliedern des IOC. „An diesem Tag öffnete sich für mich ein Fenster zu einer neuen Welt.“ London bekam den Zuschlag, gerade auch weil Coe dem IOC klargemacht hatte: Hier bei uns inspiriert Olympia die nächste Generation.

Sebastian Coe ähnelt Thomas Bach

Coe ist politisch versiert, für die konservative Partei saß er schon im Unterhaus, 2000 wurde er in den Adelsstand erhoben, er trägt den Titel Baron Coe of Ranmore und gehört dem Oberhaus an. Mit seiner taktisch-politischen Herangehensweise an den Sport ähnelt er Thomas Bach, der es so zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gebracht hat. Beide stammen aus einer Generation, beide sind geprägt durch die politisch aufgeladene Stimmung um die Olympiaboykotte 1980 und 1984. Bach hatte Pech, dass er 1980 in Moskau nicht noch einmal starten durfte. Coe hatte Glück, dass die Briten sich dem Boykott nicht anschlossen und er sein erstes Gold gewann. Vier Jahre später holte er in Abwesenheit der meisten Länder Osteuropas sein zweites.

Coe forderte unabhängige Dopingkontrollen

Nun also ist er Präsident der IAAF, deren Vize er seit 2007 war. Dem Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, hatte er in einem Gespräch versprochen, auf alle Tätigkeiten zu verzichten, die ihn in einen Interessenskonflikt bringen. Er will seinen Sport mit Innovationen reformieren. Immerhin hat er unabhängige Dopingkontrollen gefordert: „Wir brauchen ein System, das über jeden Zweifel erhaben ist, damit klar ist, dass es keinen Konflikt oder keine Komplizenschaft gibt.“ Wie ernst Coe das Dopingproblem wirklich nimmt? Vor ein paar Jahren hatte er einen persönlichen Einblick dazu gegeben: „Ich habe meine eigenen Gefühle, wenn ich Sport anschaue. Wenn Sie mich fragen, ob ich ein gutes Gefühl habe, wenn ein Athlet nach einer Dopingsperre zurückkommt, dann sage ich: Nein, ich habe kein gutes Gefühl.“

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