Sport : Der neue Rödl

Matej Mamics Rolle bei Alba Berlins Basketballern

Benedikt Voigt

Berlin – Bei einer Frage endet die Auskunftsfreude von Henrik Rödl. „Weiß ich nicht“, antwortet der Trainer des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin und wechselt ins Englische. „Oh, come on.“ Dabei ist die Frage nicht heikel oder intim sondern einfach nur taktisch: Ob er heute beim Bundesligaspiel in Schwelm (18.30 Uhr, live auf Premiere) wieder auf die aggressive Zonenverteidigung setzen werde, die er eingeführt hat?

Henrik Rödl möchte es nicht verraten. Sonst könne sich der Gegner besser auf die Berliner einstellen, glaubt der 35-Jährige. Es wäre jedoch überraschend, wenn er nicht darauf zurückgreifen würde. Denn die neue Raumverteidigung auf der Hälfte des Feldes hat sich nicht nur im Heimspiel gegen BS Energie Braunschweig (81:68) bewährt. Rödl spielt mit dieser Taktik, seit er im Uleb-Cup-Spiel in Charleroi die Mannschaft erstmals übernommen hatte. „Diese aggressive Zone ist in der Liga ungewöhnlich“, sagt Rödl. Er weiß nicht, warum nicht schon andere Trainer darauf gekommen sind. „Es ist eine gute Möglichkeit, den Ball zu erobern“, sagt Rödl, „und wir haben ja Spieler mit flinken Händen.“

Der wichtigste dafür ist Matej Mamic, der in dieser Verteidigung eine zentrale Rolle spielt. Der Kroate erwartet als erster Verteidiger den gegnerischen Angriff, versucht den Aufbauspieler zur Seite zu drängen und ihm das Passen schwer zu machen. Oder gleich den Ball zu klauen. „Er macht das sehr gut“, lobt Henrik Rödl. Einige Fans erinnert Mamic in dieser Rolle an den italienischen Routinier Riccardo Pittis, der bei Benetton Treviso mit der gleichen Taktik den Berlinern oft das Spielen schwer gemacht hat. „Thank you, thank you“, sagt Mamic, als er von diesem Vergleich hört. Pittis zählt zu den besten Basketballern Europas.

Doch auch Mamic hat als Kapitän der kroatischen Nationalmannschaft einen guten Namen. „Er ist auf seiner Position wahrscheinlich der beste Verteidiger der Liga“, sagt der Schwelmer Marko Piplovic. Der Kroate wird heute direkt gegen seinen Nationalmannschaftskollegen antreten müssen. „Ich habe schon in Kroatien oft gegen ihn gespielt, das gibt ein heißes Duell.“ Der Aufsteiger Schwelm belegt in der Liga nur den letzten Platz, dennoch sind die Berliner gewarnt. Köln hat bereits in Schwelm verloren, und nun kann der Verein, der in Wuppertal spielt, auch noch auf seinen neuen US-Amerikaner Kendrick Johnson zurückgreifen. Alba hingegen muss neben Justin Brown vielleicht auch auf Mithat Demirel verzichten. Der Aufbauspieler hat erneut Probleme mit einer alten Rückenverletzung, sein Einsatz ist fraglich.

Umso wichtiger könnte Matej Mamic werden. „Er kann Spiele mitentscheiden“, sagt Rödl. In seiner Funktion auf dem Spielfeld erinnert Mamic viele an die aktive Zeit des aktuellen Trainers. Beide verteidigen hart, beide sind selbstlose Spieler. „Er spielt eine ähnliche Rolle wie ich früher“, bestätigt Rödl. Bei Alba ist das ein sehr großes Lob.

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