Sport : Der Nicht-Spieler

Benedikt Voigt

wundert sich über den Streik des Cottbusers Mokhtari Man stelle sich vor: Ein Angestellter der Spree-Neiße-Bank in Cottbus ist unzufrieden mit seiner Arbeit. Er weiß, dass seine Kollegen bei den großen Banken in Frankfurt oder München mehr Geld verdienen und wichtigere Arbeiten erledigen. Aber er darf nur wechseln, wenn sein Arbeitgeber zustimmt, die besonderen Kündigungsbestimmungen sehen das so vor. Doch die Spree-Neiße-Bank will ihn nicht gehen lassen, vorerst jedenfalls. Der Angestellte reagiert seltsam. Er bleibt zu Hause, weil er sich psychisch nicht mehr in der Lage sieht, für seine Bank zu arbeiten. Unmöglich? Nicht im Fußball.

Der Fußballspieler Youssef Mokhtari vom Zweitligisten Energie Cottbus hat am Samstag zwei Stunden vor Spielbeginn seinem Trainer erklärt, dass er aus psychischen Gründen nicht spielen könne. Ihm liegt ein Angebot vom Bundesligisten 1.FC Köln vor, doch Energie verweigert beharrlich die Freigabe. Nun streikt Mokhtari. Es ist die schlechteste aller Reaktionen. Der Marokkaner hätte am Samstag auf dem Fußballfeld Werbung für sich selber betreiben können. Nach einem guten Spiel hätte Köln vielleicht die Ablösesumme im hohen sechsstelligen Bereich akzeptiert, die Cottbus gegenwärtig für Mokhtari verlangt. Stattdessen hat er sich selber geschadet. In Zukunft wird er als der Spieler gelten, der nicht spielen wollte. Köln sollte sich überlegen, ob der Verein einen teuren Fußballprofi verpflichten will, der seinem Beruf nur nachgehen will, wenn ihm die Umstände genehm sind. Wer weiß schon, wie lange es Mokhtari in Köln gefallen würde?

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