Sport : Der Nimmermüde

Sven Ottkes größter Kampf steht noch bevor – gegen sich selbst

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Sven Ottke ist ein großer Kämpfer, keine Frage. Der Boxer liefert ehrliche Arbeit ab, er ist authentisch in dem, was er tut und sagt. Die Menschen in diesem Land mögen ihn. Sein Lachen ist echt, seine Sprüche sind flott. Geschont hat er weder sich noch seine Gegner im Boxring. Sein größter Erfolg liegt zehn Monate zurück. In seiner Geburtsstadt Berlin, in der ausverkauften MaxSchmeling-Halle, schlug der Weltmeister der IBF den Amerikaner Byron Mitchell, den Weltmeister des Konkurrenzverbandes WBA. Seither darf Ottke sich Super-Champion im Super-Mittelgewicht nennen. Beide Titel konnte der Schützling von Trainer Ulli Wegner inzwischen dreimal verteidigen. Sven Ottke ist in 33 Profikämpfen ungeschlagen.

Ottke hat sich nie auf seinen Bums verlassen, er kämpfte mit Köpfchen. Er wittert Gefahr, er konnte sich immer auf seinen Instinkt verlassen. Er hat tolle Reflexe und ein gutes Auge. Der 36-Jährige steht seit 22 Jahren im Boxring. Er ist überaus erfolgreich, er ist reich geworden, und er ist dabei gesund geblieben. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sven Ottke ist ein deutscher Sportheld. Doch den Kampf gegen die Zeit kann auch er nicht gewinnen. Ottke ist 36. Und im Boxen gibt es eine Weisheit, die besagt: Ein Boxer wird über Nacht alt. „Was nutzt mir die Kohle, wenn ich nicht mehr weiß, wie ich heiße?“, sagte er nach seinem bisher letzten Kampf im Dezember in Nürnberg. Sven Ottke spürt, dass das Karriereende naht. Doch er kann anscheinend nicht aufhören. Ottke hat gegen die Besten geboxt – und gewonnen. Seinen schwersten Kampf muss er noch kämpfen – gegen sich selbst. miro

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