Sport : Der Norden ist oben

Hamburg bekommt von den NOK-Gutachtern die besten Noten für die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012

Robert Ide

Berlin. Die Hamburger Olympia-Planer hatten keine alkoholischen Getränke kalt gestellt. „Hier wird nicht gefeiert“, hieß es am Donnerstag um 16 Uhr in der Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Spiele 2012. „Hier wird gearbeitet.“ Gerade liefen die ersten Meldungen über die Nachrichtenticker: Hamburg im Rennen um Olympia 2012 vorn. Horst Meyer, Geschäftsführer der Gesellschaft „Hamburg für Spiele“, warnte nach der Veröffentlichung des Gutachterberichts des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) über die fünf deutschen Bewerberstädte vor verfrühtem Jubel. Der ehemalige Ruderer sagte: „Das Vorfinale haben wir gewonnen. Aber entscheidend ist das Finale.“ Das NOK entscheidet am 12. April über den deutschen Bewerber. Zur Wahl stehen neben Hamburg die von Düsseldorf angeführte Rhein-Ruhr-Region sowie Leipzig, Frankfurt am Main und Stuttgart.

Erstaunlich am Gutachten der 13 Experten unter Leitung von NOK-Vize Dieter Graf Landsberg-Velen ist vor allem das Abschneiden der Rhein-Ruhr-Region. Düsseldorf, neben Hamburg zuvor als Favorit gehandelt, bekam nicht durchgängig gute Noten. Von 470 möglichen Wertungspunkten erhielt Düsseldorf nur 409, gerade einen mehr als der Letztplatzierte Stuttgart. Hamburg dagegen erreichte 428 Punkte, dahinter kamen Leipzig (421) und Frankfurt (417) ein.

Minuspunkte sammelte Düsseldorf mit dem Konzept der großen Entfernungen – die Sportstätten in Dortmund und Aachen liegen 80 Kilometer auseinander – und bei der öffentlichen Unterstützung. Beim Bau des olympischen Dorfes am Rhein gebe es laut Bericht „massive Einwendungen von Anliegern und Naturschützern“. In Düsseldorf wird dieser Einschätzung widersprochen. „Wir haben keine breite Protestbewegung“, sagte Nordrhein-Westfalens Sportminister Michael Vesper (Grüne) dem Tagesspiegel. „Hier hat niemand Fensterscheiben eingeworfen.“ Vor einigen Tagen hatten Olympiagegner in der NOK-Zentrale in Frankfurt randaliert.

Ebenfalls auffällig ist die gute Bewertung von Leipzig. Dort ist nach einer Umfrage im Auftrag des NOK die Zustimmung der Bevölkerung am höchsten. Danach unterstützen 92 Prozent ihre Stadt. „Das Ergebnis zeigt, dass wir eine hervorragende Bewerbung haben“, sagte der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) erfreut.

Noch haben alle Städte gute Chancen, das Rennen für sich zu entscheiden. „Der Bericht zeigt, dass alle fünf Olympia austragen können“, sagte NOK-Chef Klaus Steinbach dem Tagesspiegel. Er appellierte an die Fairness der Kandidaten: „Niemand sollte die Schuld für die eigene Platzierung bei anderen suchen. Auch Selbstkritik ist wichtig.“ Am Mittwoch hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück allen Wettbewerbern für ihre Fairness gedankt, Hamburgs Verhalten dagegen als „merkwürdig und ungeschickt“ bezeichnet.

Die Städte wollen nun den Bericht auswerten und ihre Konzepte verbessern. Das wollen auch die Segelreviere tun, von denen Kiel und Rostock am besten abschnitten. Nach der nationalen Auswahl, die in einem Monat in München stattfindet, steht schließlich 2005 die internationale Entscheidung an. Dann werden vielleicht in Hamburg alkoholische Getränke kalt gestellt. Vielleicht.

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