Sport : Der Norden spielt um Gold

Überraschend stehen Finnland und Schweden im Eishockey-Finale

Christiane Mitatselis[Turin]

Finnland und Schweden stehen im olympischen Eishockey-Finale von Turin – es klingt unglaublich, aber es ist wahr. Mit 7:3 besiegten die Schweden Weltmeister Tschechien, die Finnen fegten Russland im Halbfinale mit 4:0 vom olympischen Eis. Hätte man vor ein paar Wochen auf dieses finale Duell der nordischen Nachbarn getippt, man hätte wunderbare Wettquoten erzielt. Alle sprachen von Kanada, von Tschechien, vom Geheimtipp Russland. Kaum jemand hatte jedoch auf die beiden Teams gesetzt, die nun am Sonntagmittag (14 Uhr) im Turiner „Palasport Olimpico“ um die Goldmedaille streiten. „Wenn du in Finnland geboren bist“, sagt der finnische Verteidiger Ville Nieminen, „dann willst du dieses Duell.“ Zuvor schon hatten sich die schwedischen Profis unisono das Team Suomi fürs Endspiel gewünscht. „Das sind immer tolle Spiele. Wir sind die größten Rivalen“, sagt Schwedens Stürmer Mats Sundin.

Schön für die Zuschauer ist: Mit den Schweden und den Finnen sind die besten Teams des Turniers von Turin ins Finale eingezogen, Mannschaften, die harmonieren – und die nicht, wie es etwa die Kanadier oder Tschechen taten – allein auf das Können ihrer Stars setzen. Beeindruckend stark war die Mannschaftsleistung, die Finnland gegen Kanada-Bezwinger Russland am Freitagabend zeigte. Die Finnen spielten schnell und präzise, immer gefährlich. Das gefürchtete Angriffsspiel der Russen unterbanden sie durch konsequentes Defensivspiel schon im Ansatz. Sobald sich die Chance ergab, feuerten sie präzise Schusse aufs russische Tor ab. Kurzum: Die Finnen, das Team um den 31 Jahre alten Kapitän Saku Koivu, haben eine fantastische Olympia-Bilanz vorzuweisen: Sieben Spiele, sieben Siege, fünf mal blieben sie ohne Gegentor. „Wir kamen als Underdog hierher“, sagt Stürmer Jere Lehtinen, „aber wir haben die beste Teamarbeit gezeigt.“

Fast alle finnischen Profis spielen zwar in Nordamerika in der National Hockey League (NHL), bis auf Koivu, Teemu Selanne oder Olli Jokinen gehören sie dort aber nicht unbedingt zu den prominenten Größen.

Die Angreifer Mats Sundin, Peter Forsberg und Daniel Alfredsson, vierter der NHL-Scorerwertung, sind die größten Stars im der schwedischen Mannschaft. Im Gegensatz zur reifen Finnen-Mannschaft, deren Altersschnitt um die 30 liegt, mischt sich bei den „Tre Kronors“ jung und alt. Das olympische Turnier absolvierten sie mit weniger Konstanz als Finnland, sie kassierten in der Vorrunde gar ein 0:5 gegen Russland. Beim Sieg über Tschechien im Halbfinale stimmte aber alles bei den Schweden: Sie kombinierten schnell, präzis und immer gefährlich. „Es ist für jedes Team schwer, uns zu schlagen, auch für die Finnen“, kündigt Verteidiger Christian Backman an.

Spiele zwischen den Nordrivalen waren in den vergangenen Jahren meist eng und immer packend. 1995 gewannen die Finnen in Stockholm im Endspiel gegen Schweden ihren bisher einzigen Weltmeistertitel. 1992 und 1998 setzten sich dagegen die Schweden jeweils gegen Finnland durch. Unvergessen ist das WM-Viertelfinale von 2003: In Helsinki schaffte Schweden nach einem 1:5-Rückstand noch den 6:5-Sieg und warf die Gastgeber aus dem Turnier. Das Spiel ging als ein negativer Höhepunkt in die finnische Sportgeschichte ein, die heute um einen positiven Höhepunkt bereichert werden könnte: Während die Schweden 1994 schon Olympiasieger im Eishockey wurden, gewannen die Finnen bisher nur Silber (1988) und Bronze (1998).

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