Sport : Der Nowitzki des Footballs

Tom Nuetten war der erste deutsche Super-Bowl-Sieger – jetzt hört er überraschend auf

Ingo Wolff

In den USA kann sich Thomas R. Nuetten unbehelligt bewegen. Der 32-jährige Footballspieler hat zwar schon den Super Bowl gewonnen, und das ist in Amerika fast so viel wert wie der Oscar. Doch Tom Nuetten spielt als Verteidiger des Quarterbacks auf einer zu unbedeutenden Position, um ein Star zu werden. Für deutsche Footballfans ist Nuetten trotzdem ein Idol. Sie hatten gehofft, dass der 1,96 Meter große und 143 Kilogramm schwere Athlet eine ähnliche Rolle im Football spielen könnte wie Dirk Nowitzki oder Detlef Schrempf im Basketball. Für sie war Nuetten ein Star, obwohl er nur ein halber Deutscher ist. Nuetten ist amerikanischer Staatsbürger, in Toledo im US-Bundesstaat Ohio geboren. Doch zwischen seinem zweiten und 16. Lebensjahr hat er in Ölde/Westfalen gewohnt, wo heute noch seine Mutter lebt. Als bislang einziger deutschstämmiger Feldspieler hatte er sich einen Stammplatz in der National Football League erkämpft. Sechs Jahre hat er in St. Louis bei den Rams gespielt und als Verteidiger des Starquarterbacks Kurt Warner vor drei Jahren den Super Bowl gewonnen.

Nun hat Tom Nuetten überraschend seine Karriere als Footballprofi beendet. Erst im März hatte er noch einmal für drei Jahre bei den New York Jets unterschrieben. Doch während der Vorbereitung auf die neue Saison plagten ihn alte Verletzungen am Ellenbogen und Schienbein. Der Hüne hielt sich bisher immer für durchsetzungsfähig und verbissen im positiven Sinn. Doch der Biss ist mit den Schmerzen verloren gegangen. In der vergangen Saison hatte er wegen eines Wadenbeinbruchs nur elf Spiele für die Rams bestreiten können. Noch mehr schmerzte wohl das Ego. Nuetten hatte seinen versprochenen Stammplatz schon in den ersten Testspielen an Brent Smith verloren. Einer von beiden sollte Randy Thomas auf der Position des Right Guard ersetzen. Nuetten hat diesen Kampf verloren und damit auch den Spaß am Spielen. Die genauen Gründe für seinen Rücktritt hat er öffentlich nicht genannt. Seine Entscheidung hat er bislang nur seinem Head Coach Herman Edwards und seinem Team bekannt gegeben.

Vorerst kehrt er in sein Haus in Naples/Florida zurück, wo er auch seinen Super-Bowl- Ring versteckt hält. Bislang hatte er keine Lust, den Ring – außer bei wichtigen Anlässen – anzusehen. „Ich gehe immer vorwärts und schaue erst nach meiner Karriere zurück“, sagt er. Nun kann er an die großen Erfolge als erster Deutscher in der NFL zurückdenken. Auch wenn er den Football in Deutschland nicht zu einem Hoch geführt hat, so hat sein Weg doch für alle deutschen Spieler eine Vorbildfunktion.

Am nächsten ist ihm derzeit Constantin Ritzmann auf den Spuren. Auch er ist wie Tom Nuetten den Weg über das College gegangen, braucht aber noch einige Zeit bis zur NFL. Immerhin trägt Ritzmann in Tennessee schon den Spitznamen „Germinator“. Vielleicht kommt ihm aber jemand zuvor, als erster Deutscher einen Stammplatz in der NFL zu bekommen. Fünf Deutsche kämpfen derzeit um einen Platz in einer der 32 Mannschaften. Darunter sind auch Patrick Ventzke, der schon im vorigen Jahr Ersatzspieler bei den Jacksonville Jaguars war, und Jörg Heckenbach von Berlin Thunder. Er kämpft aber derzeit mehr mit einem Nierenleiden als um den Platz bei den Green Bay Packers.

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