Sport : Der Oberchef

Otto Rehhagel qualifiziert sich mit Griechenland für die EM

Andreas Morbach

Athen. Otto Rehhagel hatte sich für den großen Tag ein paar Freunde aus Kaiserslauterer Zeiten eingeladen. Und so saßen neben seiner Frau Beate im winzigen, fensterlosen Presseraum des Apostolos-Nikolaidis-Stadions auch Gerhard Herzog und Robert Wieschemann, vor gut einem Jahr noch in verantwortlicher Position beim FCK, mittlerweile im juristischen Clinch mit dem Verein. Und vorn auf dem klapprigen Podium thronte Rehhagel, seit zwei Jahren Trainer der griechischen Nationalmannschaft.

Der 65-jährige Fußballlehrer freute sich über den wohl ungewöhnlichsten Triumph seiner Trainerkarriere: die direkte Qualifikation für die EM-Endrunde in Portugal, mit einem Team aus der zweiten Reihe des europäischen Fußballs. Die endlose Erfolgsschleife in Bremen, die Meisterschaft mit Aufsteiger Kaiserslautern – alles schön und gut, aber eben in der Heimat vollbracht. Jetzt arbeitet Rehhagel in einem Land, dessen Sprache er nicht versteht, dessen Bewohner das Leben im Gegensatz zu ihm gern an der Grenze zur Anarchie absolvieren und am Nationalteam nicht sonderlich interessiert sind.

Schwierige Umstände, aber beim Spiel gegen Nordirland war die kleine, baufällige Heimstätte von Panathinaikos Athen im Zentrum der Olympiastadt gut gefüllt. Und als Rehhagels Team den notwendigen 1:0-Sieg per Foulelfmeter erzwungen hatte, wurden illustre Gäste wie die Olympia-Chefin Gianna Angelopoulos-Daskalaki oder Mikis Theodorakis, der dem Nationalteam gerade ein eigenes Lied komponiert hat, Augenzeugen einer Ein-Mann-Schau: Otto Rehhagel, der seine Elf bei der Ehrenrunde anführt, der als Erster die Körperwelle vor dem tobenden Volk hinlegt – und dem nacheinander Stadionsprecher und Publikum mit scheppernden „Ot-to Rä-chagel“-Rufen huldigen.

Ein „sehr, sehr großer Erfolg unter außergewöhnlichen Bedingungen“ sei das für ihn, sagte der neue Nationalheld, nachdem der Gruppensieg feststand. Sechs Spiele in Folge gewannen die Griechen zuletzt, alle zu null. Platz zwei vor der Ukraine und die Relegation wollte er eigentlich erreichen. „Aber dass wir jetzt auch die Spanier hinter uns gelassen haben, ist eine absolute Sensation.“ Geschafft hat er es wieder einmal mit der zentralistischen Methode: Rehhagel als omnipotenter Strippenzieher, der in erster Linie gute Vasallen braucht. Dazu zählt vor allem sein Assistent Ioannis Topalidis, der „ganz nahe bei der Mannschaft ist, während ich den Oberchef mache“, sagt Rehhagel.

Ein griechisches Nationalteam habe sich ja „seit Generationen“ nicht mehr für eine EM-Endrunde qualifiziert, dozierte der Trainer. 1980 war das letzte und einzige Mal. „Viele Dinge“, sagt Rehhagel, „werden bis zur EM noch passieren. Denn wir wollen ja nicht als Sparringspartner dorthin gehen.“

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