Sport : Der öffentliche Patient

Der FC Bayern hat es schwer, seinem erkrankten Angestellten Sebastian Deisler zu helfen

Daniel Pontzen

München. Die simple Logik von Sieg oder Niederlage griff diesmal nicht: Die Bayern konnten in dieser Angelegenheit nicht gewinnen. Als Manager Uli Hoeneß vor zwei Wochen an der Seite von Professor Florian Holsboer die Öffentlichkeit über Sebastian Deislers Erkrankung an einer Depression und seinen Aufenthalt im Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie informierte, erbat er sich eine seriöse Berichterstattung, weil nun der Mensch Sebastian Deisler und dessen Genesung im Vordergrund stehe. Aus diesem Grunde hatte Hoeneß bei einer Pressekonferenz, die von N 24 live übertragen wurde, eine unaufdringliche Hilfestellung des FC Bayern angekündigt. Man werde Deisler jederzeit, aber eben nur wenn gewünscht, zur Seite stehen – um ihn Abstand gewinnen zu lassen und ihm Zeit für seine Gesundung zu gewähren.

Doch in der Zwischenzeit haben Münchner Medienberichten zufolge einigermaßen geheimnisvolle Berliner Bekannte Deislers persönliche Betreuung übernommen, und deren regelmäßiger Kontakt zu dem 23-Jährigen scheint auch die Vereinsführung alarmiert zu haben: „Wichtig ist, dass wir aussortieren – die, die ihm helfen wollen, und die, die ihm nicht helfen wollen“, sagte Hoeneß mit Blick auf Deislers Umgang.

Zwangsläufig setzte sich das fort, was Hoeneß mit allen Mitteln vermeiden wollte: Seit Tagen schwirren Spekulationen durch die Boulevardmedien, die sich mit Deislers angeblich mysteriösem Freundeskreis beschäftigen. Es konnte sich der Eindruck aufdrängen, die Angelegenheit drohe dem FC Bayern zu entgleiten, doch dem widersprach Hoeneß. „Sie können versichert sein, dass wir in der Sache sehr involviert sind“, sagte der Manager und fügte mit noch ernsterer Miene an: „Um seine Person zu schützen, ist uns jedes Mittel recht.“ Dass dazu auch der Einsatz von Detektiven zähle, wie die „Bild-Zeitung“ herausgefunden haben wollte, dementierte Mediendirektor Markus Hörwick: „Da ist natürlich nichts dran.“

Die Verbindung der Bayern zu Deisler bestehe nach wie vor, zumeist über Professor Holsboer. „Wir haben Kontakt zu seinen Ärzten. Das ist erst mal das Wichtigste, er ist dort offensichtlich sehr gut aufgehoben“, sagte Hoeneß, zudem „haben wir immer wieder Kontakt.“ So erhielt Trainer Ottmar Hitzfeld vor dem Pokalspiel gegen den Hamburger SV am Mittwoch eine Nachricht: „Sebastian hat mir heute noch eine SMS geschickt, in der er mir und der Mannschaft viel Glück für das Spiel gewünscht hat.“

Noch einmal betonte Hoeneß die Hilfsbereitschaft des Vereins: „Sebastian und auch seine Lebensgefährtin wissen, dass der FC Bayern Tag und Nacht für sein Wohl da ist und es auch in Zukunft sein wird. Ich hoffe, dass sich diese Erkenntnis bei allen Beteiligten irgendwann durchsetzt.“ Die Sorge um ihren prominenten Patienten wird die Bayern wohl noch einige Zeit durch die Saison begleiten. Das Spiel der Mannschaft beim Tabellenzweiten Werder Bremen am Sonnabend, Bayerns letzter Chance, sich im Kampf um die Herbstmeisterschaft zurückzumelden, gerät da beinahe zur Nebensache.

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