Sport : Der olympische Hund

Benedikt Voigt

Wer in einem Auto nach dem Plaza-Hotel am Syntagma-Platz um die Ecke biegt, sollte niemals die linke Fahrbahn nehmen. Es sei denn, man ist bereit, eine plötzliche Vollbremsung oder einen gefährlichen Spurwechsel in Kauf zu nehmen. Die Athener Taxifahrer wissen das, sie orientieren sich auf der vier- bis sechsspurigen Fahrbahn – das ändert sich je nach Verkehrsdichte – stets auf die rechte Seite. Die linke Spur gehört einem gelb-braunen Mischlingshund.

Der Straßenhund steht mitten auf der Fahrbahn und blickt todesverachtend dem tosenden Verkehr entgegen. Die Autos, die auf der linken Spur um die Ecke biegen, bremsen entweder vor ihm oder weichen in einem gefährlichen Manöver auf die rechte Spur aus. Manche Touristen, die das Duell Hund gegen Auto sehen, schreien entsetzt. Die Einheimischen lässt es kalt. Sie kennen diesen Hund.

Was wie ein täglicher Selbstmordversuch aussieht, ist in Wirklichkeit ein Spiel. Das zeigt sich, wenn die Ampel vor dem nahe gelegenen Zebrastreifen auf Rot springt. Dann stellt sich der Straßenhund neben das erste Auto in der linken Reihe. Leuchtet Grün auf, spurtet der Mischlingshund los und läuft mindestens 20 Meter mit dem Auto um die Wette. Danach kehrt er zum Zebrastreifen zurück und wartet auf die nächste Rotphase.

Hat jemand gesagt, dass Olympische Spiele nur für Menschen sind?

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