Sport : Der Patient hilft nicht

Christoph Daum erklärt seine Liebe zum 1. FC Köln, erteilt ihm aber aus dem Krankenhaus eine Absage

Erik Eggers[Köln]

Der Mann, der die Rettung bringen soll für den 1. FC Köln, kommt pünktlich um zehn Uhr. Christoph Daum rückt noch einmal die Krawatte zurecht, dann entsteigt er dem Fahrstuhl und betritt festen Blickes das Foyer des St. Elisabeth-Krankenhauses im gediegenen Stadtteil Köln-Hohenlind. Es wird ein wenig hektisch. Die Fotografen verfolgen jeden Schritt, frieren jede Bewegung des 53 Jahre alten Fußballtrainers für die Nachwelt ein, Blitzlichtgewitter prasselt auf Daum hernieder. Knapp 20 Fernsehstationen haben ihre Kameras eingerichtet, vier davon übertragen live. Insgesamt 100 Journalisten sind versammelt.

Daum ist anzusehen, wie sehr er diese Augenblicke genießt. Solche Aufmerksamkeit hat er in Deutschland nicht mehr erfahren, seitdem er im Jahr 2000 in Leverkusen wegen der „Kokain-Affäre“ geschasst und hernach in einem spektakulären Gerichtsprozess verurteilt wurde. Heute geht es vordergründig um den krisengeschüttelten 1. FC Köln, der ihm, dem Halspatienten, am Donnerstag durch Michael Meier am Krankenbett ein offizielles Angebot unterbreitet hat – das erste in Deutschland nach seinem Fall. In Wirklichkeit jedoch, so wird sich in den folgenden Minuten herausstellen, geht es vor allem um – ihn. Nachdem Horst Kugelmeier, der Geschäftsführer des Krankenhauses, der angesichts des Gedrängels ein wenig erschrocken wirkt, den Termin mit dürren Sätzen eingeleitet hat, setzt Christoph Daum das Mikrofon an. Nach einer langen Kunstpause sagt er: „Es war eine sehr bedrohliche Situation.“ Er meint nicht den Klub. Er meint sich. Er hat eine Mandeloperation hinter sich. „Er wird noch zwei, drei Wochen Erholung brauchen“, sagt Professor Jochen Wustrow, der ihn behandelt und jetzt neben ihm sitzt, die Menge mit einem ungläubigen Blick betrachtend.

Dass Christoph Daum immer noch ein begnadeter Selbstdarsteller ist, beweisen schon Datum und Ort des Geschehens. Er ließ die Medien für den 11.11. laden, ein heiliges Datum für das Rheinland, weil es der offizielle Auftakt des Karnevals ist. „Ist ein Zufall“, sagt Daum und lächelt. Und dieser bizarre Ort. Dieser Vorraum, in dem Schilder zur „Notaufnahme“, zur „Patientenverwaltung/Kasse“ oder zur „Seelsorge“ weisen. Inmitten all dieser Kameras, Mikrofone und Blöcke nämlich schwirren Menschen in gestreiften Bademänteln umher, manch einer rollt einen Ständer mit einem Tropf vor sich her. Und mit großen Augen betrachten sie nun, was Daum nach seiner Mandeloperation mitzuteilen hat zum Thema 1. FC Köln.

Im Prinzip sagt er nicht viel. Er erzählt, jeden einzelnen Satz auskostend, von der Anfrage des Kölner Managers Michael Meier. „Du bist unser Wunschkandidat“, habe Meier ihm am Krankenbett übermittelt. Daums Antwort: Er wolle demnächst bei einem Klub mit „internationalen Perspektiven“ arbeiten, in der Champions League. Aber das, und das ist die eigentliche Antwort, „ist beim 1. FC Köln nicht der Fall“. Außerdem sei er „im Moment nicht arbeitsfähig“. Er benutzt das Wort Absage nicht, aber natürlich ist es eine. Der Mann, der von 1986 bis 1990 bei den Kölnern zum Trainerstar aufstieg, drückt es diplomatischer aus, medienkompatibler. Auf eine Art und Weise, dass man noch Tage über ein Engagement spekulieren kann: „Ich bin hier zu Hause, hier bin ich groß geworden. Das ist sehr emotional, das macht die Sache schwierig. Beim 1. FC Köln ist alles anders, die Leute hängen an diesem Klub. Es ist nicht so einfach zu sagen: Nein, das kommt nicht in Frage.“ Manager Meier wird daher auch später sagen: „Das Thema ist für uns noch nicht erledigt.“

Daum spricht noch davon, dass der Klub bald wieder „in die Spitzenposition“ gebracht werden müsse, „die er vor 16 Jahren hatte“ – als er entlassen wurde. Und dass er alles tun wolle, schnell eine gemeinsame Erklärung mit dem 1. FC Köln zu finden. Exakt 18 Minuten dauert das Schauspiel, das kein Dramaturg hätte besser inszenieren können. Abschließend bedankt Daum sich bei denjenigen, die ihm Gesundheit gewünscht haben. „Ich bekam viel Unterstützung und Liebe in den letzten Tagen.“ Dann geht er, zurück in den Fahrstuhl. Und hinterlässt ratlose Gesichter. (mit ril)

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