Sport : Der perfekte Sündenbock

Stefan Hermanns bedauert Bielefelds Trainer Michael Frontzeck

Stefan Hermanns

Manchmal ist Abstiegskampf ganz einfach, die Duisburger haben an diesem Wochenende den Beweis erbracht. Es geht jetzt nicht darum, dass sie ihre spielerischen Mängel mit Einsatz von der ersten bis zur letzten Minute kompensiert haben. Es geht darum, dass es unerlässlich ist, im Kampf um die sportliche Existenz sämtliche Mittel auszuschöpfen. Der MSV Duisburg ist in der Woche vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld ins Trainingslager eingezogen; vor allem aber hat Trainer Rudi Bommer im Zisterzienser-Kloster zu Marienfeld eine Kerze angezündet, um auch die höheren Mächte für den MSV gnädig zu stimmen.

Wahrscheinlich wird sich Michael Frontzeck in Bielefeld bald dafür verantworten müssen, dass er von dieser Möglichkeit keinen Gebrach gemacht hat.

Frontzeck werden ja inzwischen sämtliche Fehlentwicklungen bei der Arminia angelastet – und langsam erschließt sich, was die Vereinsführung mit seiner Anstellung als Trainer eigentlich bezweckt hat: Sie brauchte einen Sündenbock, um von eigenen Versäumnissen abzulenken.

Es ist noch nicht lange her, da schien die Arminia ihr graumäusiges Image abzuwerfen; da stand sie für modernen Fußball, für konzeptionelles Arbeiten. Inzwischen steht sie für Chaos in der Führung, für mangelnde sportliche Kompetenz, die durch ein Übermaß an Kommunikation verschleiert werden soll. Wenn Reinhard Saftig, Geschäftsführer Sport, sagt, dass Frontzecks Job nicht zur Debatte stehe, sagt Roland Kentsch, Geschäftsführer Finanzen, dass die Mannschaft aus den Spielen gegen Duisburg und Rostock vier Punkte holen müsse. Sonst?

Frontzeck erfüllt das ihm zugedachte Anforderungsprofil als Sündenbock perfekt: Nach fünf Pflichtspielen hat er fünf Niederlagen angesammelt. Unter normalen Umständen müsste er jetzt eigentlich um seinen Job fürchten. Aber in Bielefeld droht ihm keine Gefahr, weil auch ein möglicher Nachfolger den Trend nach unten nicht stoppen würde. Und irgendwann könnte ja mal jemand auf die Idee kommen, dass es nicht am Trainer liegt.

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