Sport : Der pfälzische Patient

Ganz Deutschland, aber vor allem Lautern hofft auf Klose

Richard Leipold

Bielefeld. Die Fans des 1. FC Kaiserslautern riefen „Miro, Miro“. Und der Vorstandsvorsitzende René Jäggi rief: „Erik, komm, wir trinken ein Bier.“ Miroslav Klose hatte zwar wieder kein Tor geschossen, und die Mannschaft wieder nicht auswärts gewonnen.

Dennoch lud Jäggi den Trainer zu einer kleinen After-Work-Party. Worauf mögen die beiden angestoßen haben? Der eine Punkt, den ihre Mannschaft erstritten hatte, kann es nicht gewesen sein. Beim 1:1 in Bielefeld verpasste der FCK die große Chance, einem Konkurrenten aus der Abstiegszone näher oder gar nahe zu kommen. „In unserer Lage hätten wir drei Punkte gebraucht“, sagte Gerets, und Jäggi stimmte ihm zu. Vielleicht haben sie auf Kloses Wohl getrunken. Der Nationalstürmer fiel als tatendurstige Kämpfernatur ins Auge. Aber das, was einen Mittelstürmer am meisten auszeichnet, hat ihm abermals gefehlt. „Schade für ihn, dass er das Tor nicht getroffen hat“, sagte Gerets. Er meinte Kloses Schuss gegen den Querbalken, der den Siegtreffer für Kaiserslautern hätte bedeuten können.

Kloses Eifer wurde nicht belohnt, aber seine Formkurve zeigt allmählich nach oben. Allein dieser Umstand weckt Hoffnung – an der Basis und in der Chefetage. Wenn der Vorarbeiter bald auch noch Tore schießt, könnte er sich den Weg auf die Couch ersparen. Franz Beckenbauer, der Allwissende des deutschen Fußballs, hatte Klose empfohlen, gemeinsam mit anderen Stürmern von nationalem Rang die Blockade in einer Art Gruppentherapie zu lösen. Der pfälzische Patient dagegen glaubt, in einem Selbstfindungsprozess, ganz ohne professionelle Hilfe, einen Ausweg gefunden zu haben. „Ich habe mir viele Gedanken über mich selbst gemacht. Ich glaube an mich und versuche, alles für den FCK zu geben.“ Die Anhänger des 1. FC Kaiserslautern wissen das zu würdigen. Die Pfälzer rufen „Miro, Miro“, und aus ganz Deutschland meint man ein Echo zu vernehmen.

Deutschland sucht den Superstar unter den Stürmern. Bei der Weltmeisterschaft schien er endlich gefunden, auch wenn Klose das Fundament seines Ruhmes gegen eine Gruppe arabischer Fußball-Dilettanten legte. Aber Bielefeld und Bochum oder gar Bayern und Dortmund sind nicht Saudi-Arabien. Dennoch verkörpert der Profi mit dem unschuldigen Blick weiter die Hoffnung auf ein deutsches Stürmerwunder. Die Spitzenkräfte der deutschen Fußballwirtschaft haben sich offenbar zu einem Bündnis für Klose zusammengeschlossen. Obwohl er nur noch selten Tore schießt, umschmeicheln sie den strauchelnden Star mit Angeboten. Nach den Kollegen von Bayern München und Borussia Dortmund hieß zuletzt auch Herthas Manager Dieter Hoeneß den Nationalspieler für den Fall eines Falles herzlich willkommen. Solche Avancen mögen aufmunternd, manchmal vielleicht sogar ernst gemeint sein. Auf dem tiefen Boden der Realität tritt Klose weiter auf der Stelle - wie die gesamte Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern. „Es ärgert mich, dass ich so glücklos bin“, sagte er. Trainer Gerets wird sich, bei allem Lob, genauso über den Schuss an die Latte gegrämt haben. Also noch ein Bier für den Mann im Trainingsanzug.

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