Sport : Der Pferdefinanzier

Züchter Schröer dominiert die Traber-Szene und will auch beim Deutschen Derby siegen

Heiko Lingk

Berlin. Das Gestüt von Michael Schröer liegt im Zentrum der Ortschaft Ottmarsbocholt. Rund um Münster hat der Pferdesport eine große Tradition. Man ist stolz darauf, und das illustrieren die Züchter meist mit einer Portion Lokalpatriotismus, etwa mit dem Hissen einer westfälischen Landesflagge am Gestüt. Das ist bei Schröer anders. Wenn der 56-Jährige den Boxenbereich seiner luxuriös ausgestatteten Stallungen betritt, blickt er auf die schwedischen Landesfarben. Dass die Flagge Schwedens von der Holzwand strahlt, liegt an einem Bewohner: Ina Scot. Die schwedische Stute hat zwar längst ihre Rennkarriere beendet, trotzdem ist sie das Symbol für das Engagement von Schröer: Vor fünf Jahren hat der Unternehmer aus der Metallbranche die Stute für viel Geld gekauft, seitdem hohe Summen in sein Gestüt „November“ investiert: Kein Wunder, dass am Sonnabend und Sonntag, beim Derby auf der Trabrennbahn Mariendorf (Beginn jeweils 13 Uhr), viele Favoriten von Schröers Gestüt kommen.

Als Michael Schröer Ina Scot vor fünf Jahren ihren schwedischen Eigentümern abgekauft hatte, stand die Traber-Fachwelt Kopf. Denn der Großindustrielle hatte etwas vollbracht, was bei den pferdebegeisterten Skandinaviern als unmöglich galt, denn Ina Scot galt als unverkäuflich. Der Preis für die außerordentlich erfolgreiche Stute soll in zweistelliger Millionenhöhe gelegen haben. Ina Scot gewann zum Höhepunkt ihrer Karriere 34 Rennen hintereinander, triumphierte 1995 auch beim Prix d’Amerique. Seitdem ist diesem Pferd und seiner Fahrerin Helen Johansson, die den wichtigsten Traber-Klassiker der Welt als bisher einzige Frau beherrschte, ein Rennen am Pariser Prix-d’Amerique-Tag gewidmet. Den Preis von Ina Scot wird man auch jetzt von Schröer nicht zu hören bekommen. Und die Frage, wie man zu einem solchem Pferd kommt, beantwortet er süffisant: „Indem man es kauft!“

Schröer und seine Frau Theresia, eine Österreicherin, haben ihr Leben den Trabern gewidmet. Sie haben sich hohe Ziele mit ihrem Rennstall gesteckt. „November, das soll weltweit ein Markenzeichen sein. Es soll für Sportgeist, Fairness und Sauberkeit stehen“, sagt Schröer. Seine Erwartungen für das Wochenende auf der Trabrennbahn Mariendorf sind dann auch recht groß. Viele seiner Pferde dürften für hohe Preisgelder – das 108. Deutsche Derby ist insgesamt mit 617 912 Euro dotiert – gut sein. In den vier Stuten-Läufen am Samstag gehen drei Traber vom Gestüt November an den Start. Darunter Nordic Gold November, die Tochter von Ina Scot. Im Hauptlauf am Sonntag starten sogar fünf Pferde von Schröer. Drei davon sind Michael Schmid anvertraut, der für seinen Chef seit Saisonbeginn ein Zuchtrennen nach dem anderen gewinnt. Der 36-jährige Profi wird auch im Sulky des großen Favoriten für das Derby sitzen: Mit dem Hengst Nelson November ist Schmid seit sechs Starts ungeschlagen. In Berlin gewann das Duo das Adbell- und das Buddenbrock-Rennen. Neben den bereits verdienten 127 173 Euro würde der Sieg im Derby den Triumph in der Dreifachen Krone bedeuten – der höchsten Auszeichnung, die es im deutschen Trabrennsport gibt.

Dass Schröer mit einem Erfolg rechnet, daran lässt er keinen Zweifel: „Ich bin mit meiner Frau nach Berlin gekommen, um das Derby zu gewinnen!“ Dreimal – 1991 mit Holley Antony, 1995 mit Pik König und 1996 mit General November – ist ihm dies gelungen. Für Schmid wäre es der erste Sieg. Genau zehn Jahre ist es her, da hatte der Profi mit dem Hengst Tartas den größtmöglichen Erfolg nach einer Zielfoto-Auswertung um Millimeter verpasst. Das wird am Sonntag nicht passieren, ist sich Michael Schröer sicher: „Denn der Michael Schmid ist ein verdammt guter Junge!“

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