Sport : Der Ping-Pong-Diplomat

Stefan Feth, früherer Bundesligaspieler, will Tischtennis als Nationaltrainer in den USA populär machen

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Heimlicher Amerikameister. US-Nationaltrainer Stefan Feth gewinnt noch gegen seine Spieler. Foto: picture-alliance/Simon
Heimlicher Amerikameister. US-Nationaltrainer Stefan Feth gewinnt noch gegen seine Spieler. Foto: picture-alliance/SimonFoto: picture-alliance / Sven Simon

Berlin - Ganz am Anfang der Geschichte von Stefan Feths Reise in eine andere Welt stand eine einfache E-Mail. Eine E-Mail, die noch nicht einmal an ihn selbst gerichtet war. Der Adressat war Steffen Fetzner, einer der bisher besten deutschen Tischtennis-Spieler. Und Feth kannte Fetzner von früher, die beiden hatten 2002 zusammen ein Bundesliga-Doppel gebildet. Inhalt der E-Mail: Am anderen Ende der Welt, in Kalifornien, suchte der Palo Alto Tischtennis-Club einen Experten. Ob Fetzner nicht jemanden wüsste, der für ein paar Wochen rüberkommen und ein paar Tricks zeigen könne. Tatsächlich kannte Fetzner jemanden: Stefan Feth, an den er die E-Mail weiterleitete. Heute, sechs Jahre später, ist Feth Nationaltrainer der USA und coacht die Spieler bei der WM in Rotterdam (8. bis 15. Mai). „Das ist wirklich alles super gelaufen“, sagt er.

Ein überdurchschnittlicher Bundesliga-Spieler beim TSV Tündern war Feth, auch ein Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft hatte er im Dezember 2002 absolviert. Vor allem war Feth schon immer ein Typ, der auch andere Dinge im Blick hatte. Reisen beispielsweise. Mehrmals war er in den Jahren zuvor in die USA geflogen: Mal etwas anderes sehen als Tischtennisplatten. Doch die E-Mail an Fetzner veränderte alles. Im Sommer 2005 flog Feth also nach Palo Alto in der Nähe von San Francisco und zeigte den Nachwuchsspielern, wie man in Deutschland Tischtennis spielt. „Eigentlich wollte ich ja nur Urlaub und Tischtennis verbinden, aber dann kam alles anders.“

Nach ein paar Wochen musste er zurück, schließlich begann die nächste Bundesliga-Saison. Doch das Angebot aus Amerika stand: Feth solle rüberkommen und als Trainer arbeiten. Für kleines Geld, aber immerhin. Das Abenteuer reizte Feth. Im Sommer 2006 ging er nach Kalifornien. „Viele haben mich damals für verrückt erklärt. Die USA sei doch ein Dritte-Welt-Land im Tischtennis haben die Leute gemeint“, sagt Feth. Aufsehen erregte das amerikanische Tischtennis eigentlich nur, als ein Team nach der Weltmeisterschaft 1971 nach China eingeladen wurde – die Rahmenhandlung für die Ping-Pong-Diplomatie und Vorbild für die Tischtennisszene im Oscar gekrönten Spielfilm „Forrest Gump“.

Doch Feth sagt: „Ich bereue den Entschluss keine Sekunde.“ Anders als in Deutschland gibt es in den USA keine Ligen, alles läuft über Ranglisten- und Preisgeldturniere. Anfangs spielt Feth noch selbst mit und gewinnt oft, „ich war schon der beste Spieler in den USA“, sagt Feth. Doch mit der Zeit konzentriert er sich immer mehr auf seine Trainertätigkeit. Das liegt auch daran, dass er mit Nan Li, seiner Lebensgefährtin, und deren Eltern, zwei ehemaligen chinesischen Weltmeistern, im Jahr 2008 eine Tischtennis-Akademie in San Francisco gründet. Mit Erfolg, der Weltverband ITTF hat die Akademie in die Liste der weltweit 22 „Hot Spot“-Trainingscenter aufgenommen. Feth sagt: „Mittlerweile kommen die besten Nachwuchsspieler der USA dorthin.“ Auch, weil Feth seit 2009 Nationaltrainer des Herren-Teams der USA ist. Aktuell liegt die USA auf Rang 46 der Weltrangliste, das entspricht exakt der Platzierung bei der vergangenen WM in Moskau.

Um WM-Medaillen geht es dem 31-Jährigen nicht, er will seine Spieler weiterentwickeln, denn Feth ist überzeugt, dass Tischtennis im Land des Basketballs, des Baseballs und des Footballs eine Zukunft hat. „Klar, es fehlt an Strukturen und an Professionalität. Aber das kommt erst mit der Zeit. In den USA gibt es ein Riesenpotenzial.“ Auch deshalb, weil einige Persönlichkeiten Tischtennis als Lifestyle-Sportart entdeckt haben und fördern. Schauspielerin Susan Sarandon etwa eröffnete mit Freunden in New York den Tischtennis-Club „Spin“.

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