Sport : Der Präsident des IOC wird in Washington zu Korruptionsvorwürfen befragt

Nach dem großen Sieg im Heimspiel von Lausanne ist Juan Antonio Samaranch zum schweren Auswärtsspiel nach Washington geflogen. "Herr Präsident", wird Fred Upton dort möglicherweise fragen, "wie war das mit der Einladung an Ihre Frau 1990 nach Atlanta, die 12 000 Dollar gekostet hat?" Und der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wird so antworten, wie er es bei seiner Pressekonferenz zum Abschluss der Vollversammlung am Sonntag in Lausanne gesagt hat: "Meine Frau war durch das Organisationskomitee der Olympischen Spiele eingeladen worden." Sie hatte nicht darum gebeten. Während ihres Aufenthalts in Atlanta erhielt sie einen Brief vom Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, Mr. Quayle, in dem er für ihren Besuch gedankt hat.

Fred Upton ist der Vorsitzende eines Kongress-Unterausschusses, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Korruption im Zusammenhang mit den Bewerbungen um die Sommerspiele 1996 in Atlanta und die Winterspiele 2002 in Salt Lake City zu erhellen. Seine mögliche Frage nach dem Besuch der Samaranch-Gattin wird wohl zu den schwereren gehören, wenn sich der 79-jährige Spanier dem Trommelfeuer der Kongresspolitiker stellt. Es wird wohl an ihm abprallen, wenn man die Formulierung von "US Today" richtig deutet. Der IOC-Präsident habe sich für das Hearing eine "Schutzweste" angeschafft, schreibt das Blatt am Montag in seinem Bericht über die Vollversammlung.

Dass Samaranch bei seiner Reise nicht mehr das Schlimmste befürchten muss, liegt vor allem an seinem Patron Henry Kissinger. Die Einbindung des immer noch einflussreichen Politik-Altstars in den Reformprozess erwies sich für den IOC-Chef als ein Glücksfall. Der ehemalige Außenminister der USA lenkte als Mitglied der Kommission "IOC2000" die Reformen in die richtigen Bahnen und sorgte dafür, dass sie mit Mehrheiten verabschiedet wurden. Mit seinen immer noch weit reichenden Beziehungen in den US-Kongress hinein wird er dafür sorgen, dass Samaranch nicht mehr auf eine Einheitsfront der Ablehnung stößt.

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