Sport : Der Präsident folgt Domenech

Der Nachfolger von Frankreichs Nationaltrainer steht fest – auch er ist umstritten

Alex Raack

Was er seinen Kritikern zu entgegnen habe, fragte ein französischer Journalist den Nationaltrainer Raymond Domenech, jetzt, da die Stimmen nach seiner Entlassung immer lauter würden. „Nichts“, sagte Domenech, „ich habe nur ein Projekt: Ich werde Estelle heiraten. Heute werde ich um ihre Hand anhalten.“

Zwei Jahre sind vergangen seit diesem Wortwechsel. Die „Grande Nation“ war gerade bei der Europameisterschaft in der Vorrunde ausgeschieden, Vierter und Letzter war der Weltmeister von 1998 in der Gruppe C. Ein Punkt aus drei Spielen. Frankreich lag am Boden – und der Nationaltrainer sprach von seiner Hochzeit. Domenech machte es der Öffentlichkeit leicht, ihn nicht zu mögen. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert.

Seit 2004 ist der Mann mit dem grauen Haar Auswahltrainer Frankreichs. Die WM in Südafrika ist sein letztes Turnier in dieser Funktion. Domenechs Nachfolger für das wichtigste Amt im französischen Fußball ist bereits gefunden: Laurent Blanc, der stoische Abwehrchef der Weltmeister von 1998. Der Mann, der damals mit seinem Golden Goal im Achtelfinale gegen Paraguay das ganze Land verzückte.

Man könnte sich kaum einen krasseren Gegensatz vorstellen – hier der unnahbare Raymond Domenech, dem seine Kritiker gleichermaßen fehlende Kompetenz und Arroganz vorwerfen, dort der einstige Leader und Kapitän einer Mannschaft, die sich im eigenen Land die Krone der besten Mannschaft der Welt aufsetzte. Der zum glatzenküssenden Symbol einer überragenden Fußballergeneration wurde und den die Fans ehrfürchtig „le président“ tauften.

Blanc ist immer noch ein Neuling im Trainergeschäft, und auch wenn er als Vereinscoach bei Girondins Bordeaux in den vergangenen drei Jahren erstaunliche Erfolge mit erstaunlichem Fußball feiern konnte, gibt es nicht wenige, die ihm das Amt des Nationaltrainers noch nicht zutrauen. „Er ist ein guter Trainer“, sagt etwa WM-Teilnehmer Nicolas Anelka, „aber für die Nationalmannschaft ist es noch etwas zu früh.“ Grenzenlose Begeisterung schlägt dem designierten Nationaltrainer nicht entgegen.

Blanc selbst sieht sich nicht als Trainer im herkömmlichen Sinne: „Ich bin ein Supervisor“, sagt er. Ergebnisfußball ist nicht die Sache des einstigen Abwehrchefs. „Ich will nicht nur, dass meine Mannschaft gewinnt“, sagt Blanc, „ich will, dass sie dominiert.“ Das ist Musik in den Ohren der Anhänger der „Equipe Tricolore“. Doch noch ist es nicht so weit. Bis zum WM-Aus ihrer Mannschaft müssen sich die Fans der „Blauen“ noch gedulden. Oder bis zum Titel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben