Sport : Der Präsident ist ein Serientäter (Kommentar)

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Die christlichen Werte würden es gebieten, einem Menschen in Not zu helfen. Das ließ Helmut Digel im Dopingfall Baumann verlauten. Und der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ermunterte Dopingfahnder Wilhelm Schänzer sogar, seinem schwäbischen Landsmann zur Seite zu stehen. Als sich daraufhin Kritik wegen der Parteinahme des der Neutralität verpflichteten Präsidenten erhob, sprach dieser von einer "Privatinitiative" Schänzers. Was jenen zu Widerspruch veranlasste: Der DLV und Digel seien stets eingeweiht gewesen.

Wäre es ein Einzelfall, so könnte man von einem präsidialen Fauxpas reden. Doch Digel ist ein Serientäter. Zunächst hieß es, er erwäge wegen seiner Verbindung zu Baumann den Rücktritt. Wenig später kam die Korrektur: Er werde nicht davonlaufen. Kein Interesse an der Nachfolge des verstorbenen IAAF-Päsidenten Nebiolo, versicherte er und verkündete kurz darauf, er stünde zu gegebener Zeit bereit. Kurz nach dem Amtsantritt hatte Digel er, die Sportgymnasien in den neuen Bundesländern müssten geschlossen werden. Heute schwört er, diese Form der Talenteförderung sei unverzichtbar. 25 Prozent der deutschen Spitzen-Leichtathleten würden dopen, erklärte Digel. Um sich kurz darauf zu revidieren.

Digel mag als Sportwissenschaftler seinen Mann stehen. Als Funktionär ist er ein Präsident des permanenten Revirements. Heute hü und morgen hott. Ganz, wie es die Situation erfordert. Die jetzige hätte erfordert, sich ohne Ansehen der Person als Sachwalter aller Verbandsmitglieder zu positionieren. Das hat er mißachtet, und so ist es nicht verwunderlich, dass der Ruf nach seinem Rücktritt immer lauter wird.

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