Sport : Der Präsident kauft Mariendorf Traber-Chef Mommert erwirbt die Rennbahn

Heiko Lingk

Berlin - Es war die schwerste Entscheidung in der Geschichte des Mariendorfer Trabrennvereins – und dennoch hatte sich am Montag nur etwas mehr als die Hälfte aller Mitglieder zu der außerordentlichen Versammlung in der ehemaligen Klubetage im fünften Obergeschoss des Tribünenhauses eingefunden. Abgestimmt wurde über den endgültigen Verkauf des Geländes, auf dem seit dem 9. April 1913 Trabrennen veranstaltet werden. Dieses Votum fiel deutlich aus: Mit 38 zu 19 Stimmen wurde das einzige vorliegende Kaufangebot akzeptiert. Der Vereinsvorsitzende Ulrich Mommert selbst hatte diese Summe über seine neu gegründete Mariendorfer Trabrennen GmbH avisiert. „Damit möchte ich den Rennbetrieb langfristig absichern“, sagte der Unternehmer. Für eine jährliche Pacht von 200 000 Euro plus Mehrwertsteuer erhält der von ihm geleitete Verein zugleich das Recht, das Gelände bis Ende 2015 zu nutzen.

Für das knapp 19 Hektar große Restgelände erhält der Trabrennverein vier Millionen Euro, von denen 1,5 Millionen sofort und 2,5 Millionen in halbjährlichen Raten à 500000 Euro fällig sind. Zugleich sind kurzfristig aufgelaufene Verbindlichkeiten in Höhe von rund einer Million abzulösen. Ulrich Mommert hatte dieses Geld als Privatkredit zur Zwischenfinanzierung vorgestreckt. Das finanzielle Polster, das sich für den Rennverein aus dem Verkauf ergibt, ist also sehr dünn. Dass der 63-jährige Mommert womöglich andere Interessen verfolgt und das Rennbahngelände eines Tages für eigene Bauvorhaben nutzen könnte, bestreitet er vehement. Auf der Mitgliederversammlung betonte Mommert: „Solange ich lebe, wird dieser Fall nie eintreten!“

Auch der Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Ekkehard Band, schließt eine Änderung des Flächennutzungsplanes aus, der das Mariendorfer Gelände als Sport- und Grünzone festschreibt. Er betont aber auch, dass die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze zu seinen ehrgeizigsten Zielen gehört. Was geschieht also, wenn eines Tages ein potenzieller Großinvestor die Finger nach dem Filetstück im Berliner Süden ausstreckt? Angesichts der chronisch leeren Kassen des Mariendorfer Rennvereins ist es zweifelhaft, ob die zehnjährige Pachtoption überhaupt vollständig genutzt werden kann.

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