Sport : Der Präsident lacht

Heiner Bertram saniert Union – doch die Spieler kritisieren seinen Stil, und Cristian Fiel geht

André Görke

Berlin . Das Weihnachtsfest wäre ein schöner Zeitpunkt, einfach mal abzuschalten. Passend dazu verkündet nun Heiner Bertram, der Präsident des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union: „Wir haben die Etatlücke mit den unterzeichneten Vereinbarungen geschlossen. Der Kader für die Rückrunde steht.“

Am Mittwoch hatte sich Union mit Kostadin Widolow auf eine Vertragsverlängerung bis 2004 geeinigt. Die Unterschrift des Spielmachers war aber auch bitter nötig gewesen, damit Union in der Rückrunde nicht völlig ohne spielerische Klasse dasteht. Denn im Gegenzug gab Cristian Fiel seinen Abschied bekannt. Der 22-Jährige unterschrieb beim VfL Bochum einen Arbeitsvertrag bis 2006. Über die Höhe der Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart. Ob Holger Wehlage, den Union gestern bis zum Saisonende unter Vertrag nahm, eine Verstärkung ist, ist fraglich. Er kommt von Werder Bremen.

Dass Heiner Bertram durch seinen Sparkurs das Etatloch von 700 000 Euro gestopft hat, spricht für seine Arbeitsmethoden. Bertram scheint Union gerettet zu haben – das Verhältnis zur Mannschaft hat aber in den letzten Tagen gelitten. „Wir sind und waren nie die geldgeilen Arschlöcher. Das Präsidium aber hat genau dieses Bild in der Öffentlichkeit aufgebaut“, sagt jetzt ein Spieler, der nicht genannt werden will. Ein anderer aus der Mannschaft meint: „Herr Bertram hat einiges wieder gutzumachen. Das Verhältnis zu uns ist zerrüttet.“

Dass 16 Spieler aus dem Kader gehalten werden konnten und auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten, sagt wenig über die Stimmung in der Mannschaft aus. Viele Spieler sind irritiert. So sagt Kapitän Steffen Menze: „Es ging in den letzten Tagen um finanzielle Dinge. Das ist ein heikles Thema. Wir haben uns dazu nicht in der Öffentlichkeit geäußert – aber vielleicht hätten wir das tun sollen. Die Berichterstattung war sehr einseitig.“

Das Ansehen der Spieler bei den Fans hat gelitten. Thomas Hüser von der Vereinigung der Vertragsfußballer sagt jetzt: „Ein Verein hat die Aufgabe, seine Spieler zu schützen.“ Und konkret: „Es wäre schön, wenn Union seine Angestellten genau so ernst nehmen würde wie die Medienarbeit.“ Als Tom Persich etwa um Bedenkzeit bis Freitag bat, polterte Bertram in der „Berliner Zeitung“: „Persich hätte allen Grund, sich solidarisch zu zeigen. Er hat alle Vorzüge bei Union in den letzten Jahren genossen.“ Und dann: „Aber er hat Union schon einmal in schwieriger Lage verlassen.“ Die Spieler kritisieren, dass der Präsident mit solchen Sätzen eine Druckkulisse aufbaue, die „einfach unnötig“ sei. Tom Persich will dazu nichts sagen.

Dabei sind die Spieler ihrem Arbeitgeber schon entgegengekommen. So haben sie in der vergangenen Saison etwa 625 Euro pro Punkt erhalten – bis zum 40. Zähler. Dann wurde die Prämie auf 500, zu Saisonbeginn auf 250 und im Dezember auf 125 Euro gekürzt. Unions Pressesprecher Lars Töffling sagt: „Wir können nichts für die Probleme. Die Spieler wissen seit Monaten davon.“ Jetzt sei es an der Zeit, dass man nicht mehr so „dünnhäutig“ reagiere. „Wir wollen keinen Krieg.“ Ronny Nikol, an dem Lübeck und Duisburg interessiert sind, sagt: „Ich werde meine Entscheidung Freitag bekannt geben. Nach den letzten Tagen mache ich mir aber Gedanken.“ Youssef El-Akchaoui und Petar Divic werden den Verein verlassen, Sreto Ristic und Sixten Veit überlegen noch.

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