Sport : Der Präsident setzt auf Durchhalteparolen

Oliver Trust

Mit einem gequälten Lächeln schlenderte Krassimir Balakow im Kabinengang des Gottlieb-Daimler-Stadions auf den Pulk der wartenden Journalisten zu. Ratlos schaute der Spielmacher des VfB Stuttgart in die Runde. Schon nach ein paar Sekunden war das Gespräch beendet. "Sie sehen", sagte einer der Journalisten entschuldigend, "wir sind genauso ratlos wie Sie."

Die Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern sollte zum Fußballfest werden. Die Raketen, die vorher in den Himmel stiegen, blieben das einzige Feuerwerk an diesem Abend. Nach dem 0:1 durch den Kopfballtreffer von Marian Hristow (26.) steckt der VfB Stuttgart statt dessen in einer tiefen Depression und wieder mitten im Abstiegskampf. Begleitet wird die Talfahrt von alarmierenden Signalen. Die eklatante Sturmschwäche wächst zum chronischen Krankheitsbild aus. Acht Treffer in zehn Spielen. Nur Arminia Bielefeld ist ähnlich erfolglos im gegnerischen Strafraum.

Ein Gegenmittel hat offenbar niemand parat. "Wenn die Stürmer nicht treffen, muss der Trainer ihr Selbstvertrauen stärken", sagte Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Als Kritik an Ralf Rangnick wollte "MV" sein Statement nicht verstanden wissen. Wortlos verschwand sein Trainer nach der offiziellen Einschätzung vom Podium. Ein gutes Zeichen ist es sicher nicht, dass an ihn keiner Fragen hatte und sich alles - wie in Krisenzeiten beim VfB Stuttgart üblich - dem Vereinschef zuwandte.

Der schlüpfte seltsam erheitert und ständig lächelnd nach der dritten Heimniederlage mit einem Schuss Fatalismus in die Rolle des Gutelaune-Onkels: "Vier Punkte aus fünf Heimspielen, das ist traurig, aber es stimmt mich nicht pessimistisch. Bei den Stürmern platzt der Knoten sicher bald." Das klang angesichts der Flaute im Stuttgarter Sturm sehr nach Durchhalteparole.

Bei den Spielern sind erste Anzeichen von Resignation erkennbar. "Wenn es nicht bald besser wird, beginne ich, an mir zu zweifeln", ließ Viorel Ganea durch eine Dolmetscherin übersetzen. Der Rumäne hat immerhin schon zwei Tore erzielt. Aber auch das ist lange her.

Der Nachkauf eines Stürmers aber, so ließ Stuutgarts Sportdirektor Karlheinz Förster diese Woche wissen, sei überhaupt kein Thema. Die Wünsche von Trainer Rangnick müssen sich angesichts leerer Kassen also auf andere Weise erfüllen: "Wir müssen in Wolfsburg eine neue Serie starten." Dafür wird es in Stuttgart auch langsam höchste Zeit.

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