Sport : "Der Präsident sollte sich äußern"

Herr Preetz[was Sie se],wie sind Sie das geworden[was Sie se]

Michael Preetz ist Kapitän von Hertha BSC und Vizepräsident der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV).

Herr Preetz, wie sind Sie das geworden, was Sie seit wenigen Tagen nicht mehr sind, nämlich Schirmherr der Wanderausstellung Tatort Stadion - Rassismus und Diskriminierung im Fußball?

Die Ausstellung wird organisiert vom bundesweiten Fan-Netzwerk Bündnis Aktiver Fußballfans - Baff. Ich habe als Vizepräsident unserer Interessenvertretung, der Vereinigung der Vertragsfußballer, schon seit langer Zeit gute Kontakte zum Baff. Ich habe zum Thema Diskriminierung mehrfach Stellung bezogen, so zum Beispiel in dem Filmspot mit Alphonse Tchami, unserem ehemaligen Mannschaftskollegen aus Kamerun. Somit war klar, dass ich mich auch zur Schirmherrschaft einer solchen Ausstellung bereit erklären würde.

Warum haben Sie dieses Amt dann niedergelegt?

Dieses Projekt ist unverändert gut. Jeder Besucher soll sich aber seine eigenen Gedanken machen können, wenn er die Ausstellung verlässt. Das sehe ich in einem Punkt als nicht gegeben.

Sie meinen die Schautafel Tatzeugen - Vorbilder. Darauf sind einige Zitate von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder zu lesen, die ihn in die Nähe des Rechtsradikalismus bringen. Er sagt dort zum Beispiel: "Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und stattdessen hier die Polen spielen." Was ist falsch daran, solche Sprüche eines hohen deutschen Sportrepräsentanten öffentlich zu machen?

Die Echtheit der Zitate wird vom Deutschen Fußball-Bund ja gar nicht bestritten. Aber von den Ausstellungsmachern werden sie aneinander gereiht und in einen stark wertenden Zusammenhang gestellt. Ihre Wirkung wird damit verstärkt. Die Zitate sind durchaus nicht glücklich - das übertrieben Wertende, Anprangernde an dieser Schautafel ist es aber auch nicht.

Der Deutsche Fußball-Bund hat sich erst bemüht, dass diese Tafel nicht mehr Bestandteil der Ausstellung sein soll. Als das abgelehnt wurde, hat der DFB die Förderung der Ausstellung eingestellt. Finden Sie das korrekt? Claudia Roth, die Chefin von Bündnis 90/Die Grünen, hat dieses Eingreifen sogar als Zensur bezeichnet.

Der DFB kann es sich tatsächlich nicht erlauben zu zensieren. Da gebe ich Frau Roth Recht.

Warum haben Sie denn nicht früher Ihre Bedenken geäußert? Die Ausstellung läuft doch schon seit einiger Zeit.

Die sportpolitische Linie des VdV zielt ab auf Dialog, nicht auf Konfrontation. So eine Entscheidung trifft man nicht ohne Weiteres.

Baff bedauert sehr, dass Sie das Amt niedergelegt haben. Es wird Ihnen fehlende politische Reife und falsche Loyalität vorgeworfen, Sie hätten sich von hohen Funktionären verschrecken lassen.

Mich hat keiner verschreckt, schon deshalb nicht, weil niemand vom DFB an mich herangetreten ist. Zu den beiden anderen Vorwürfen möchte ich mich nicht äußern. Generell halte ich diese Kritik für unangemessen. Überall in der Gesellschaft gegen Rechts vorzugehen ist für mich Auftrag genug.

Wie aber soll es jetzt konkret weitergehen mit diesem Thema?

Es wäre tatsächlich gut, wenn sich der DFB-Präsident jetzt selbst zu dem Sachverhalt äußern würde.

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