Sport : Der Prinz von Schalke

Christian Pander meldet sich eindrucksvoll zurück

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Wie oft haben die Derbys zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund viel weniger gehalten, als Geschichten und Geschichtchen vorher versprochen hatten. Manchmal aber ist ein Derby wie ein Märchen. Wie diesmal, an einem ungemütlichen Sonntag im Dezember, an dem die Schalker sich an ihrem Glück berauschten. Beim 3:1 über Borussia Dortmund hatten sie sogar einen Prinzen zu bieten, der von einem langen Schlaf erwacht ist: Christian Pander.

Den Rehabilitationszentren endlich entkommen, schickt der Verteidiger sich an, die Rolle des jugendlichen Helden zu übernehmen. Die auffälligste Schalker Heldentat gelang ihm nach einer knappen Viertelstunde. Pander überwand den gegnerischen Torwart mit einem Schuss aus fast vierzig Metern Entfernung. „Mit seinem Freistoßtor hat er seine Klasseleistung gekrönt“, sagte Mirko Slomka, der Trainer des FC Schalke. „Christian versprüht Spielfreude und hat wieder Spaß am Fußball. Das ist das, was ihn antreibt.“

An seinem großen Tag beherrschte Pander aber nicht nur den ruhenden Ball. Mit fünf Schüssen, drei Torschussvorlagen und den meisten Ballkontakten war er auch statistisch gesehen der beste Schalker Spieler. Wenn es schnell gehen musste, marschierte er oft vorneweg, zeigte sich zweikampfstark und trickreich. Auf der linken Außenbahn wurde er zur zentralen Figur eines munter aufspielenden Ensembles, das dank der weiteren Tore von Kevin Kuranyi und Peter Lövenkrands nie Zweifel am Erfolg aufkommen ließ. Das späte Gegentor von Alexander Frei störte Schalke nicht mehr.

Pander ist erst seit einigen Wochen wieder dabei; er gewinnt von Woche zu Woche mehr von der Klasse zurück, die ihm vor seiner komplizierten Knieverletzung schon bescheinigt worden war. 19 Monate lang hatte er für sein Comeback kämpfen müssen – und gegen die Ungewissheit, ob er als junger Fußballspieler nach vier Operationen je wieder der alte werden würde. „Der Gedanke, was man macht, wenn es mit dem Fußball vorbei wäre, kommt einem schon“, sagt der 23-Jährige.

Panders Abwesenheit hinterließ in Schalke eine große Lücke. Seine Position auf der linken Außenbahn kann in Deutschland ohnehin von den wenigsten Klubs bedarfsgerecht besetzt werden. Schalke versuchte es zunächst mit Mladen Krstajic oder Dario Rodriguez, die sich eigentlich eher im Zentrum zu Hause fühlen, danach mit Lewan Kobiaschwili, der dann als Antriebskraft im Mittelfeld fehlte. „Sie haben diese Position nicht als ihre 1a-Position gesehen“, sagt Slomka. „Pander als Außenverteidiger gibt unserem Spiel zusätzliche Stärke.“

Diese Erkenntnis schlägt sich auch in Zahlen nieder: Seit Christian Pander im Heimspiel gegen Bayern zum ersten Mal nach seinem Martyrium wieder die Bundesliga-Bühne betrat, holte Schalke 17 von 21 Punkten, die zu vergeben waren. Die Einwechselung gegen München sei noch ein Risiko gewesen, sagt Slomka. Aber es hat sich ausgezahlt. Nach dem Comeback stand Pander jedes Mal in der Startelf und absolvierte zuletzt dreimal die vollen neunzig Minuten. Nicht nur im Derby hat er das Spiel seiner Mannschaft so beflügelt, dass Schalke zur zweiten Kraft der Liga aufstieg. Obwohl er viel Zeit verloren hat, geriert er sich auf dem Fußballplatz als Gewinner, der sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lässt. „Das liegt vielleicht an meiner Art“, sagt Christian Pander. „Wenn ich auf dem Platz stehe, lasse ich nichts an mich heran und versuche, einfach cool zu bleiben.“

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