• Der Profi als Praktikant Ex-Herthaner Theo Gries geht beim 1. FC Union in die Lehre

Sport : Der Profi als Praktikant Ex-Herthaner Theo Gries geht beim 1. FC Union in die Lehre

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Von Karsten Doneck

Schneverdingen. Wenn Theo Gries über Berlin spricht, dann tritt ein schwärmerischer Glanz in seine Augen. Ob er nun über die Schönheit alter Villen in Dahlem plaudert oder aber über die politische Entwicklung der Stadt, immer klingt bei ihm eines durch: Faszination. Gries hat seinen Wohnsitz derzeit in Aachen, versucht aber gerade, sich Berlin wieder anzunähern. Beim Zweitligisten 1. FC Union macht der ehemalige Torjäger von Hertha BSC im Rahmen seiner Ausbildung zum Fußballlehrer ein Praktikum. Noch bis zum kommenden Freitag, dem Ende des Union-Trainingslagers im Heideort Schneverdingen, schaut er Cheftrainer Georgi Wassilew über die Schulter. Seine Eindrücke? „Man kann viel lernen“, sagt er, hält sich aber sonst mit Kommentaren zurück. Kein Wunder. Wer sich zum Fußballlehrer ausbilden lässt, muss vorher eine Erklärung unterschreiben, dass er sich während der Praktika nicht über die Arbeit des jeweiligen Cheftrainers äußert, weder positiv noch negativ. Daran hält sich Gries penibel.

Theo Gries, den Ex-Profi, zieht es ins Trainergeschäft. Dabei hat er gerade erst am eigenen Leib die Tücken des Berufs erlebt und wie unsensibel das Feuern der Herren Trainer manchmal gehandhabt wird. Alemannia Aachen hatte Gries als Nachwuchscoach für die Unter 19-Jährigen angeheuert, und zwar auf Wunsch des damaligen Cheftrainers Eugen Hach. Als Hach im Oktober vorigen Jahres rausgeworfen wurde, musste auch dessen Gefolgschaft gehen. Gries gehörte dazu, zwei Monate später. „Eine Woche vor Weihnachten wurde ich beurlaubt“, sagt Gries, „und das ist schon ein verdammt schlechtes Gefühl, wenn du so kurz vor Weihnachten nach Hause kommst und der Familie mitteilen musst, dass du deinen Job los bist.“ Gries ist verheiratet, hat einen 13-jährigen Sohn und eine neunjährige Tochter.

Von Alemannia bezieht Gries weiter Gehalt. Er steht dort schließlich noch bis Juni 2003 unter Vertrag. Vorstöße der Aachener, über eine Abfindungszahlung eine vorzeitige Vertragsauflösung zu erreichen, scheiterten am Widerstand von Gries. In der Zeit der Arbeitslosigkeit hat Theo Gries keineswegs tatenlos herumgesessen. Seine Ausbildung zum Fußballlehrer unter Erich Rutemöller als Lehrgangsleiter endet am 2. Oktober. Vorab hat Gries schon ein paar andere, das Leben verändernde Pläne geschmiedet. Der wichtigste Entschluss: Er wird in Kürze mit seiner Familie wieder nach Berlin ziehen.

Seine Wohnung in Charlottenburg hat er seit seinen Tagen als Profi bei Hertha BSC nie aufgegeben, sie ist untervermietet. Finanziell braucht er sich keine Sorgen zu machen. Er ist Teilhaber eines Rehabilitations-Centers in Babelsberg mit 20 Angestellten. Geschäftsführer ist Uli Bayerschmidt, ein alter Weggefährte aus gemeinsamen Profitagen bei Hertha und Tennis Borussia.

In Berlin leben - schön und gut. Aber in Berlin arbeiten, noch dazu als Fußballlehrer - da sind die Möglichkeiten begrenzt. Theo Gries hat sich umgehört. Wenn sein Vertrag mit Aachen endet, „würde ich gerne wieder irgendwo im Nachwuchsbereich etwas machen“, sagt der 41-Jährige. Hertha Zehlendorf soll Interesse signalisiert haben. Dann würde sich Theo Gries nicht nur an wunderschönen Villen erfreuen.

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