Sport : Der Quälgeist kommt

Die Bayern verpflichten Roy Makaay – den Mann, der sie vor einem Jahr aus der Champions League schoss

Egon Boesten,Daniel Pontzen

Von Egon Boesten und

Daniel Pontzen

München. Es war das passende Ende eines wochenlangen Hickhacks. Eigentlich sollte Roy Makaay bereits gestern der Presse als Neuzugang des FC Bayern München präsentiert werden; doch die Journalisten warteten vergebens. Am Abend wurde die Pressekonferenz auf heute verschoben. „Die mündlichen Vereinbarungen, die wir mit La Coruña getroffen haben, haben wir nach La Coruña gefaxt, aber bisher haben wir noch keine Antwort erhalten“, sagte Bayerns Pressesprecher Markus Hörwick. „Aber wir gehen davon aus, dass der Wechsel wie geplant über die Bühne geht.“ Der Holländer hat einen Vierjahresvertrag bei den Bayern unterschrieben. Deportivo La Coruña erhält 17,7 Millionen Euro.

Am Dienstagmorgen war Roy Makaay in München gelandet. Uli Hoeneß, der Manager des Deutschen Meisters, sagte stolz: „Wir haben das Haus bestellt.“ Der 28-jährige Stürmer, der bei den Bayern das Trikot mit der Nummer 10 tragen wird, ist der zweitteuerste Transfer in der Geschichte der Bundesliga nach dem Brasilianer Marcio Amoroso, für den Borussia Dortmund vor zwei Jahren 25 Millionen Euro an den AC Parma gezahlt hatte.

18 Millionen Euro sind viel Geld in Zeiten, in denen es auf dem Transfermarkt beschaulich zugeht, aber die Bayern sehen ihr Geld gut angelegt, immerhin war Makaay in der vergangenen Saison mit 29 Toren Schützenkönig in Spaniens erster Liga, der wohl besten der Welt. Das Interesse der Bayern hatte der Holländer im vorigen Herbst geweckt, als er sie beinahe alleine aus der Champions League schoss. Mit drei Toren, beim 3:2 von La Coruña in München. „Es gibt nichts Schöneres, als gegen die Deutschen Tore zu schießen“, hatte Makaay da gesagt. Vor seinem Wechsel setzte er noch einen oben drauf: „Ich knacke gern deutsche Abwehrreihen.“

Dazu hatte der Holländer bisher kaum Gelegenheit. Erst recht nicht in der Nationalmannschaft. Bei den fünf Spielen der EM-Qualifikation stand er nur einmal in der Anfangsformation. Und das, obwohl Hollands Fußballidol Johan Cruyff in den höchsten Tönen von ihm schwärmt. „Roy versteht wie kein anderer die Kunst des Laufens ohne Ball“, sagt Cruyff. Doch beim jüngsten Auftritt der Oranjes in Weißrussland schaute er wieder mal den Kollegen Ruud van Nistelrooy und Patrick Kluivert zu. Deren Vorteil: Sie spielen für Manchester United und den FC Barcelona. La Coruña gilt trotz aller Erfolge immer noch als Provinzverein.

Jetzt ist der Junge vom Lande bei seinem ersten großen Klub gelandet. Makaay stammt aus dem Dorf Wijchen an der deutschen Grenze und startete seine Profikarriere 1997 bei Vitesse Arnheim. Zwei Jahre später wechselte Makaay zum CD Teneriffa. Doch mit Teneriffa ging es immer nur gegen den Abstieg. Erst 1999 kam ein Angebot von La Coruña. Sieben Millionen Euro bekam Teneriffa für Makaay. Für heutige Verhältnisse ist das ein Sonderangebot.

Kaum war Makaay in München gelandet, war er bei einem Wettanbieter schon der Favorit auf die Torjägerkanone in dieser Bundesliga-Saison. Mindestens zwei Einsätze und ein paar Tore liegt er da schon im Rückstand, denn Sonnabend, beim Spiel der Bayern in Hannover, darf der 28-Jährige noch nicht loslegen. Das sagt jedenfalls Uli Hoeneß: „Ich glaube nicht, dass der schon in Topverfassung ist.“ Makaay hatte erst vor zwei Wochen das Training aufgenommen. Nach der Anlaufphase erwarten sie von ihm bei den Bayern natürlich nur eines: „Tore“, sagt Präsident Franz Beckenbauer. Der Transfer soll sich möglichst schnell amortisieren. Weitere Verpflichtungen werde es vorerst nicht geben, sagt Hoeneß: „Oder glauben Sie, wir haben einen Geldscheißer?“

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