Sport : Der Regen über Paris

Gelassen erträgt das Tennispublikum das Wetter

Christian Tretbar[Paris]

Oscar, Marcelo und Diego nehmen es recht gelassen. Die drei Freunde sind extra aus Argentinien angereist, um sich das Halbfinalspiel von Mariano Puerta anzuschauen. Doch statt ihren Landsmann von der Tribüne beim Kampf gegen Nikolaj Dawidenko um den Einzug ins Finale zu unterstützen, suchen sie Schutz vorm Regen. Der tropfte unermüdlich vom Pariser Himmel und brachte den Spielplan der French Open am Freitag durcheinander. Die Spiele konnten erst mit mehr als zwei Stunden Verspätung beginnen.

Immer wieder schauten die Tennisfans hinauf zum Himmel, ob sich nicht doch ein paar Lücken in den Wolken auftun würden. Die kamen dann aber erst am späten Nachmittag. Bis dahin hatten sich vor allem die Verkäufer in den offiziellen Souvenirständen über das Wimbledon-Wetter in Roland Garros gefreut. Sie verkauften massenweise Regenmäntel für 15 Euro pro Stück.

Regen kann man schließlich nicht vermeiden – schlechte Laune dagegen schon. Die kam bei den wenigsten Besuchern auf. Denn die meisten wussten, dass sie ihr Geld zurückbekommen, falls der komplette Spieltag hätte annulliert werden müssen. Diese Sicherheit machte das Warten erträglicher. Die meisten Zuschauer saßen mit einem Sandwich oder einem Eis im Gang vor dem Center Court und harrten der Dinge. Wer Glück hatte, fand einen Platz im „Jardin de Roland Garros“, einem Gartenrestaurant, das glücklicherweise überdacht ist.

Regen bei den French Open ist nichts Neues. Die Organisatoren in Paris haben schon ganz andere Regenpausen zu bewältigen gehabt. Der 30. Mai 2000 wird ihnen sicherlich am meisten in Erinnerung bleiben. Damals musste der komplette Spieltag abgesagt und am folgenden Tag nachgeholt werden. Um den Zeitplan trotzdem einigermaßen einzuhalten, hatten die Veranstalter kurzerhand 21 andere Plätze von umliegenden Tennisvereinen akquiriert.

Ähnlich unangenehm war es 1973. Das Finale zwischen dem Rumänen Ilie Nastase und dem Jugoslawen Nikola Pilic musste um zwei Tage verschoben werden, weil es ununterbrochen regnete. Nastase gewann am Ende 6:3, 6:3, 6:0. Und die diesjährige Finalistin Mary Pierce kennt den Pariser Regen auch. Ihr Finale 1994 gegen das spanische Laufwunder Arantxa Sanchez-Vicario musste schon nach 18 Minuten wegen Regens abgebrochen werden. 2:1 führte die Französin zu diesem Zeitpunkt. Die Fortsetzung am folgenden Sonntag verlor sie dann aber.

Die Vorhersagen für ihr Finale gegen die Belgierin Justin Henin-Hardenne an diesem Samstag sind etwas besser. Das wird May Pierce freuen, und die französischen Tennisfans erst recht.

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