Sport : Der reife Meister

Miroslav Klose schießt sich mit fünf Treffern aus der Krise und hinein in Italiens Fußballgeschichte.

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Klosissimo. Nach seinen fünf Toren gegen Bologna wurde Lazios Stürmer Miroslav Klose von den italienischen Medien mit Lob überschüttet. Foto: dpa
Klosissimo. Nach seinen fünf Toren gegen Bologna wurde Lazios Stürmer Miroslav Klose von den italienischen Medien mit Lob...Foto: dpa

Berlin - Fünf Treffer sind selbst für einen Rekordmann wie Miroslav Klose nicht etwas Alltägliches. „Das ist einer der schönsten Tage in meiner Karriere. Ich widme diese Tore meinen beiden Familien – meiner eigenen und der Lazio-Familie“, sagte der bald 35-Jährige nach seiner Leistung vom Sonntagnachmittag. Mit fünf Toren hat er den FC Bologna fast im Alleingang bezwungen. Lazio darf sich weiter sanfte Hoffnungen auf eine Europapokalteilnahme machen.

Als „Klosissimo“ feierte die „Gazzetta dello Sport“ den Stürmer. Als „stratosphärisch“ pries ihn das Lokalblatt „Il Messaggero“ und bescheinigte Lazio eine Wiederauferstehung dank des, nun ja, „Panzers“. Italienische Medien haben die Eigenart, Deutsche selbst dann als Panzer zu bezeichnen, wenn sie so zierlich gebaut sind wie Klose und dazu in Polen geboren wurden. Doch dies sind Details, die im Jubel untergehen.

Klose stellte mit seinen Saisontoren Nummer 11 bis 15 den Vereinsrekord von Roberto Pruzzo vom Februar 1986 ein. Einen Ligarekord verhinderte Trainer Vladimir Petkovic, der Klose 23 Minuten vor dem Abpfiff vom Platz nahm und seinem Stürmer ein Bad in der Menge schenkte. Mit weiteren Treffern hätte Klose die sechs Tore in einem Spiel von Silvio Piola (Pro Vercelli, 1933) und Omar Sivori (Juventus, 1961) egalisieren oder sogar übertreffen können. Er grämte sich wegen dieser verpassten Gelegenheit aber nicht. Trainer Petkovic verteidigte seine Maßnahme mit der Bemerkung, dass Klose „lediglich einer guten Mannschaftsleistung die Krönung“ verliehen habe.

Tatsächlich profitierte der deutsche Nationalspieler von der Vorarbeit seiner Kollegen. Alle Treffer erzielte er in Mittelstürmermanier – als Abstauber, nach Kontern und nach Flanken. Er war da, wo er zu stehen hatte und traf.

Klose mochte entgegen gekommen sein, dass Petkovic das erste Mal in der Saison ein 4-4-2 versuchte, mit Sergio Floccari als Sturmpartner. „Für mich war es perfekt, mit ihm zu spielen“, kommentierte Klose diese Wahl. „Wenn mich die Mannschaft so unterstützt, wird alles leichter. Wir finden wieder unsere Form. Das kann ein neuer Anfangspunkt sein.“

Vor dieser Gala durchschritten Klose und der Club eine veritable Durststrecke. Die gute Ausgangsposition der Hinrunde – Lazio Rom stand lange auf einem Champions-League-Platz – wurde mit durchwachsenen Leistungen in diesem Frühjahr verspielt. Anteil daran hatte auch der Bänderriss im Knie, den Miroslav Klose sich im Spiel gegen Genua im Februar zuzog, und der eine wochenlange Pause bedeutete. Doch bereits seit dem 15. Dezember wartete er auf einen Torerfolg.

Auch nach der Genesung schien Klose lange Zeit nur der „unansehnliche Zwilling seiner selbst“ zu sein, wie mancher Fan mit Trauer vermerkte. Lazio erwies sich als extrem abhängig von Miroslav Klose. Dies deutete sich bereits mit seiner Verpflichtung zu Beginn der vergangenen Spielzeit an. Der DFB-Rekordtorschütze (einen Treffer hinter Gerd Müller zurück, aber Bester unter den noch aktiven Profis) ist – abgesehen vom brasilianischen Regisseur Hernanes – der einzige Spieler von Weltklasseformat bei Lazio. Er stellt sich damit gewissermaßen von selbst auf, was im Hinblick auf die Nominierungschancen bei Joachim Löw bisher nicht unwichtig war. Im Gegenzug kann er Lazio auf ein Top-Niveau in der Serie A heben. Klose darf aber nicht damit rechnen, regelmäßig gut beliefert zu werden. Um Bälle zu bekommen, muss er sich in Zweikämpfen im Mittelfeld aufreiben. Das macht er gern, das bringt ihm auch viel Respekt in der Mannschaft und bei den Tifosi ein. Für dauerhafte Spitzenleistungen der Mannschaft reicht diese Konstruktion allerdings nicht aus.

Miroslav Klose macht in dieser Situation das Beste. Er bleibt gelassen, wenn es nicht so gut läuft. Und ab und an legt er in der Manier eines reifen Meisters Delikatessen auf den Tisch. Am Sonntag war solch ein Liefertag. Tom Mustroph

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