Sport : Der Rekordmeister des Rekordmeisters

Mehmet Scholl ist der Spieler mit den meisten Titeln – er war achtmal dabei, als Bayern die Schale holte

Mathias Klappenbach

Berlin - Gestern durfte Mehmet Scholl nach 65 Minuten ran. Felix Magath war unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft, sie lag 0:1 zurück. Zeit also, den Joker zu bringen, der mit einer einzigen Aktion dem Spiel eine Wende geben kann. Am Ausgleichstreffer ist Scholl dann nicht beteiligt. Kurz darauf legt er wunderbar mit der Hacke für Claudio Pizarro vor, der aber am Tor vorbeizielt.

Der 35-jährige Mehmet Scholl ist seit gestern der Rekordmeister der Rekordmeister, er hat als erster Spieler zum achten Mal den Titel gewonnen. Hinzu kommen fünfmal der deutsche Pokal, der Uefa-Cup, die Champions League, der Weltpokal, der EM-Titel 1996. Schon im Vorgriff über seinen neuen Rekord reden mochte Scholl nicht. Überhaupt hat sich der Karlsruher, der früher als Teenie-Idol und Scherzbold bekannt war, in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit rar gemacht. Er will seine Ruhe haben.

Stattdessen also ein Anruf bei einem, der seine sieben Meisterschaften beim FC Bayern zusammen mit Scholl gefeiert hat und seit gestern nicht mehr zu den Rekordhaltern zählt. Alexander Zickler ist vor dieser Saison nach Österreich gewechselt, zur mit viel Geld zusammengestellten Mannschaft Red Bull Salzburg. Die wurde gestern Vizemeister hinter Austria Wien. „Wir reden hier nicht von einer Enttäuschung. Das wäre beim FC Bayern natürlich anders gewesen“, sagt Zickler. „Da gab es ja nicht so viele Jahre, in denen wir nicht Meister geworden sind.“

Zicklers ehemaliger Kollege Mehmet Scholl hat für seine acht Meisterschaften 14 Jahre beim Rekordmeister gebraucht. „Ich gönne Mehmet den Rekord. Auch, weil er viele Krisen wegen Verletzungen hatte und immer wieder zurückgekommen ist“, sagt Zickler. Er weiß auswendig, dass Oliver Kahn gestern seine siebte Meisterschaft gefeiert hat und Hasan Salihamidzic seine sechste. Nur als er erfährt, dass Bayerns dritter Torwart Bernd Dreher auch schon sechsmal Meister ist, muss er kurz lachen.

Es ist schwierig, Spieler zu finden, die seit dem ersten Titel in der Bundesliga 1969 zwei oder mehr Jahre beim FC Bayern München gespielt, aber nichts gewonnen haben. Wird das nicht langweilig? „Auch beim FC Bayern hat jede Meisterschaft ihre eigene Geschichte“, sagt Alexander Zickler. Zusammen mit Mehmet Scholl hat er dramatische letzte Spieltage erlebt. „Die beste Meisterschaft war die, als wir 2001 in der 94. Minute in Hamburg noch den Ausgleich geschossen haben“, sagt Zickler. „Und die Champions League haben wir auch noch geholt. Das war das interessanteste Jahr.“

Zu den Highlights der Ära, zu der die Spieler Zickler und Scholl zählen, gehört für Zickler auch der Titel 2000, als Bayer Leverkusen am letzten Spieltag in Unterhaching die sicher geglaubte Meisterschaft noch an die Münchner verlor. Oder das Jahr 2003, als der Vorsprung auf den Zweiten VfB Stuttgart mit 16 Punkten so groß wie nie zuvor in der Bundesliga war.

Mehmet Scholl war immer dabei, mehr oder weniger. Wegen seiner vielen Verletzungen hat er vor allem in den vergangenen Jahren keine Saison auch nur annähernd durchgespielt. Trotzdem hat er in seinen 377 Bundesligaspielen 97 Tore geschossen. Für neunzig Minuten Profifußball hat der Körper des 35-Jährigen nicht mehr genug Power, dennoch fordern viele Fans bei der Weltmeisterschaft den Einsatz Scholls als Joker.

Ob Mehmet Scholl noch ein Jahr weiter beim FC Bayern spielt, ist derzeit noch nicht geklärt. „Mich würde das freuen“, sagt Alexander Zickler. „Vielleicht holt er ja noch seine neunte Meisterschaft.“

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