Sport : Der Rekordmeister

Nur eine Mannschaft hat so früh den Titel perfekt gemacht wie die Bayern – die Bayern

-

Wolfsburg (Tsp/dpa). Ottmar Hitzfeld schien mit den Tränen zu kämpfen. Ein seltenes Bild. Der Trainer des FC Bayern München ist ein eher kontrollierter Mensch, und eigentlich war der Verlauf der Saison nicht so, dass sich der Druck an ihrem Ende in Tränen hätte entladen müssen. Der FC Bayern München hat die FußballBundesliga kontrolliert wie schon lange kein Team mehr, und kurz vor Schluss hat der Rekordmeister sogar noch einen neuen Rekord auf- oder zumindest eingestellt. Durch den 2:0-Sieg beim VfL Wolfsburg haben die Münchner bereits vier Spieltage vor Saisonende den Gewinn der Meisterschaft perfekt gemacht. So früh ist dies in der 40-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga erst einer Mannschaft gelungen – dem FC Bayern München in der Spielzeit 1972/73.

Vielleicht kämpfte Hitzfeld mit den Tränen, weil der Triumph ein bisschen unerwartet gekommen war. Die Bayern nutzten die Vorlage der Konkurrenz. Über die Videowand waren sie von den Zwischenständen der Konkurrenz informiert, und sie zwangen den VfL Wolfsburg, der gegen die Münchener auch im zwölften Aufeinandertreffen ohne Sieg blieb, in die Knie. Schon kurz vor Spielschluss feierten die Bayern und ihr Anhang, ehe die offizielle Bekanntgabe des 1:1 von Stuttgart gegen Hansa Rostock und des 0:0 von Borussia Dortmund beim TSV 1860 München das Signal für Überschwang und Begeisterung gaben.

Ausgelassen tobten die Münchner durch die VW-Arena, während die knapp 10 000 Bayern-Fans im neuen Stadion des VfL auf den Rängen ihre Mannschaft hoch leben ließen. Die Spieler hüpften jubelnd über den Rasen, Trainer Ottmar Hitzfeld riss an der Seitenlinie die Arme in die Höhe und umarmte Manager Uli Hoeneß.

Die Münchner, bei denen Michael Ballack nach langer Verletzungspause von Beginn an spielte, hatten das Spiel konzentriert und engagiert begonnen. Mit schnellen Pässen in die Spitze machten sie Druck, und sie besaßen durch Pizarro zwei Chancen, wobei der Stürmer beim zweiten Anlauf in der 18. Minute die halbe Wolfsburger Abwehr austanzte und erst am glänzenden Keeper Sead Ramovic scheiterte. Doch nach dem starken Beginn flaute das Spiel etwas ab.

Die Münchner zogen sich etwas zurück und schoben sich den Ball häufig zu lange im Mittelfeld zu. Der wieder genesene Ballack konnte sich und seine Vorderleute in dieser Phase kaum in Szene setzen. Die Anlaufschwierigkeiten des Nationalspielers waren nicht zu übersehen. Doch schließlich zeigte er, wie wertvoll er für das Team ist.

Seine erste auffällige Szene war ein Schuss kurz vor dem Halbzeitpfiff, der knapp neben dem rechten Pfosten vorbeiging. Der zweite starke Auftritt von Ballack führte dann aber zum 1:0. Mit einem Hackentrick setzte er Elber geschickt in Szene, und der Brasilianer nutzte die Chance eiskalt aus und ließ Ramovic keine Abwehrchance.

Kurz danach jubelten die Bayern-Fans im Stadion erneut. Der Ausgleich der Rostocker in Stuttgart machte ihre Mannschaft rein rechnerisch bereits zum Meister. Die Anhänger begannen zu feiern. Auf dem Rasen hatten die Spieler gute Chancen, die Führung weiter auszubauen. Aber Elber (61.) und Pizarro (68.) vergaben zunächst.

Die in den zweiten Halbzeit wesentlich stärkeren Bayern setzten den VfL permanent unter Druck, und sieben Minuten vor dem Abpfiff schaffte Pizarro das zweite Tor. Wolfsburg machte es den Münchnern nur in den ersten 45 Minuten schwer. Um die Bayern aber dauerhaft unter Druck zu setzen, machten sie zu viele Fehler. Nach der Münchner Führung brachte Trainer Jürgen Röber mit Roy Präger und Tomislav Maric und später Peter Madsen neue Offensivkräfte. Die Wolfsburger spielten mit hohem Risiko, entwickelten aber zu wenig Gefahr. Die Hoffnungen, einen Platz im Uefa-Cup zu erreichen, sind durch die Niederlage nur noch minimal.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben