Sport : Der Retter kommt nicht

Der 1. FC Köln ist in der Krise – und Overath verweigert sich

Erik Eggers

Köln. Vor rund zwei Jahren hat Andreas Rettig seinen Managerposten beim 1. FC Köln angetreten, und zuletzt war er sichtlich stolz darauf, dass er den vorher stets reichlichen Nachrichtenfluss unter Kontrolle hatte. Die zahlreichen undichten Stellen, die den Kölner Boulevard über Jahrzehnte hinweg mit delikaten Insiderinformationen versorgt hatten, schienen jedenfalls gestopft. Nun aber, da die Mannschaft als Tabellenletzter dem dritten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga binnen sechs Jahren entgegensteuert, scheint alles wieder so zu sein wie früher. Es gibt einen geheimnisvollen Briefschreiber, der nicht nur den „Express“ und die „Bild“- Zeitung mit sehr detaillierten Beschreibungen aus der Mannschaft versieht, sondern auch den Manager mit Informationen aus der Kabine bestückt. Zuletzt hat der Maulwurf ausführlich dargelegt, dass der Spieler Christian Springer am Samstag, in der Halbzeit des Spiels gegen 1860 München, lautstark gegen seine bevorstehende Auswechslung protestiert hat. Die Boulevardzeitungen nahmen diese Nachricht dankbar auf. „Revolte gegen Koller“, titelte der „Express“. Das sei falsch interpretiert, versicherte Springer zwar gestern. Aber es zeigt doch, wie groß die Nervosität in Köln inzwischen ist.

Dazu trug auch der plötzliche Vorstoß Wolfgang Overaths bei, dem Verein helfen zu wollen. Seit Jahren schon wird der Weltmeister von 1974 immer wieder ins Spiel gebracht, doch bisher hatte er eine führende Funktion im Verein stets abgelehnt. Diesmal wurde er massiv von Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma unterstützt, der den 81fachen Nationalspieler als „meinen Freund“ bezeichnet und ihn sogar mittelfristig für den Präsidentenposten empfohlen hatte. Doch alles half nichts. Overath erklärte auch gestern seinen Verzicht auf einen Posten.

Overath sollte eigentlich der neue starke Mann des Vereins werden und Manager Andreas Rettig in sportlichen Dingen unterstützen. Nach Angaben des Klubs waren Overath beim Treffen mit dem Vereinspräsidenten Albert Caspers die Posten des Vizepräsidenten, des Bevollmächtigten des Vorstands oder des Geschäftsführers und Vorsitzenden der Geschäftsführung der Verwaltungs GmbH angeboten worden. „Herr Overath lehnte jedoch eine Einbindung in bestehende Strukturen ab und beansprucht seinerseits eine alleinige Führung des Klubs. Diesen Vorstellungen konnten die Verantwortlichen des Klubs nicht folgen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Vereins. Und Präsident Caspers fügte hinzu: „Mit dem Gefühl, einen Präsidenten über sich zu haben, konnte er sich nicht anfreunden.“

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