Sport : Der richtige Moment

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Armin Lehmann über Gerd Müller, den besten Fußballer in 40 Jahren Bundesliga

Fast war es wie immer, wenn der Fußball sich feiert: steif, hölzern und ein bisschen peinlich. Dabei sind 40 Jahre Bundesliga ja ein wahrer, ein guter Anlass, um ausgelassen und mit Gefühl zu feiern. Vielleicht hat sich deshalb bei der großen Gala in Köln diesmal auch ein wirklich großer Moment eingeschlichen, der es wert ist, genau betrachtet zu werden. Es war der Moment, als Gerd Müller zum besten Spieler in 40 Jahren Bundesliga gekürt wurde.

Da saß er im Publikum, verkleidet in einem Anzug. Dabei trägt er noch heute am liebsten den Spielerdress, kurze Hosen, Fußballschuhe, so sieht man ihn an der Säbener Straße auf dem Vereinsgelände des FC Bayern umherstreifen. Nun also eingeengt in Krawatte und schwarzen Lackschuh. Harry Valérien, der große alte Mann des ZDFSportstudios, hält eine sehr lange, eine sehr selbstverliebte Laudatio. Gerd Müller kommen Tränen in die Augen, die hinter der dicken Brille versteckt sind. Alle schauen auf ihn. So viel Aufmerksamkeit Jahre nach seinem Karriereende – er hätte sie früher verdient gehabt.

Dann bittet ihn Anne Will, die Tagesthemen-Sprecherin und Moderatorin des Gala-Abends, auf die Bühne. Die Gäste im Saal bemerken den großen Augenblick, der hier ansteht. Sie stehen auf und klatschen Gerd Müller zu. Müller sagt wenig, er flüstert nur: „Ich könnte heulen.“ Dann flüchtet er zurück auf seinen Platz. Bescheiden, gerührt, einzigartig.

68 Tore in nur 62 Länderspielen hat er geschossen. Und 365 Tore in 427 Bundesliga-Partien. Harry Valérien sagt, wenn der Gerd im letzten Länderspiel gegen Italien gespielt hätte, dann hätte er garantiert ein Tor gemacht aus all den Chancen. Und er fügt verlegen hinzu, das sei keine Abwertung der aktuellen Stürmer. Aber so ein Satz hat seine Wirkung. Kann man sich also vorstellen, dass in 30, 40 Jahren ein Fredi Bobic auf einer solchen Bühne steht und weint?

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