Sport : Der richtige Zeitpunkt

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Sie hatte noch einmal ihren großen Moment, auch wenn sie darauf nie Wert gelegt hat. Im Eröffnungsspiel der Fußball-WM war es Kerstin Garefrekes, die im ausverkauften Berliner Olympiastadion den Ball zum 1:0 für die Deutschen ins Tor köpfte. Ausgerechnet Garefrekes, die nie gern im Mittelpunkt stand, nutzte diese große Bühne. Es folgte ein weiteres Tor bei dieser Heim-WM, das ihr letztes sein sollte. Nach zehn Jahren hat Kerstin Garefrekes am Montag ihre Karriere in der Nationalmannschaft beendet.

Ariane Hingst, Birgit Prinz und nun Garefrekes: Eine nach der anderen verabschiedet sich. Verwundern kann das kaum. In 130 Länderspielen schoss Garefrekes 43 Tore, wurde je zweimal Welt- und Europameisterin und war mit ihrer ruhigen Art die große Säule im deutschen Mittelfeld. Nach der verkorksten Heim- WM sah die 31-Jährige nun den Zeitpunkt gekommen. Für den 1. FFC Frankfurt wird sie noch spielen, ansonsten wird die Diplom-Betriebswirtin sich voll ihrer Arbeit in der Frankfurter Stadtkämmerei widmen. Denn wie fast alle Fußballerinnen hat sie sich, weil sie musste, nebenbei um ihre berufliche Ausbildung gekümmert.

Das erleichtert den Abgang. Zudem fehlen durch die verpasste Olympiaqualifikation die Ziele: Der nächste Höhepunkt findet in zwei Jahren statt und der Druck der Jüngeren ist enorm. Bundestrainerin Silvia Neid hat den Generationswechsel längst vollzogen, Prinz und Hingst bekamen diesen schon bei der WM zu spüren, bei Garefrekes wäre es eine Frage der Zeit gewesen, bis Neid Ersatz gefunden hätte. Ihrem besonnenen Naturel entsprechend ist sie dem nun zuvor gekommen.

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