Sport : Der Rückfall

Hertha BSC ist die heimschwächste Mannschaft der Liga – gegen den VfL Bochum reichte es nur zu einem 1:1

Klaus Rocca

Berlin. Er sagte es in seinem bekannt väterlichen Ton, mit verschmitzem Lächeln: „Bei dieser katastrophalen Heimbilanz behält der Herr Meyer am Ende Recht: Hertha steigt ab. Es sei denn, alle Auswärtsspiele werden gewonnen.“ Der Herr Meyer, das war er selbst, Hans Meyer, Trainer von Hertha BSC. Meyer sprach’s nach einer weiteren Enttäuschung, dem 1:1 (1:0) gegen den VfL Bochum. Die Heimbilanz nach dem erneuten Rückfall ist damit in der Tat weiterhin katastrophal: Von 33 möglichen Punkten hat Berlins Fußball-Bundesligist gerade mal elf geholt. Schlechter ist kein anderer Klub im eigenen Stadion. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass Hertha wieder auf einem Abstiegsplatz steht.

Dabei war es gar nicht mal so schlecht, was die Gastgeber gestern vor 31 600 Zuschauern im Olympiastadion boten. Immerhin ging es gegen den Tabellenvierten, dem Meyer „Selbstvertrauen bis in die Zehenspitzen“ attestierte. Und auf den sein Trainer Peter Neururer hinterher „sehr, sehr stolz“ war. Nach den Vorfällen um Oliseh und Hashemian habe man auf die Frage nach der psychischen Stabilität „heute eine eindrucksvolle Antwort gegeben“.

Dennoch – eigentlich hätte der VfL als Verlierer den Platz verlassen müssen. Hätte Schiedsrichter Stefan Trautmann, der ohnehin mit seiner aufdringlichen Selbstdarstellung verärgerte, nicht eine höchst seltsame Entscheidung gefällt. Nachdem Marcelinho das 1:0 erzielt und damit seine schon in Hannover zurückeroberte Torgefährlichkeit bestätigt hatte, schoss er kurz darauf bei einem Freistoß den Ball in dieselbe Ecke des Bochumer Tores. Marcelinho konnte sein Glück kaum fassen. So wenig, wie er dann fassen konnte, dass Herr Trautmann dieses Tor nicht anerkannte. „Andreas Neuendorf hat Hertha beim Freistoß durch sein Schubsen in der Mauer einen unerlaubten Vorteil verschafft“, sagte der Schiedsrichter später.

Neuendorf nahm es lakonisch. „Dann habe ich mit meinen 70 Kilo also 600 Kilo beim Gegner weggeschubst.“ Und Meyer fügte hinzu: „Ich muss mir die Szene zwar erst im Fernsehen ansehen, aber wenn man will, kann man bei jedem Freistoß in der Mauer Schubsen und Drängeln sehen.“

Dieter Hoeneß, Herthas Manager, wollte nicht wehklagen, „schließlich hatten wir genug Torchancen, um das Spiel für uns zu entscheiden“. Dabei dachte er sicher an die Riesenmöglichkeit von Fredi Bobic, der allein auf Torhüter Rein van Duijnhoven zulief und ihn anschoss. In der Schlussminute hatte Bobic, der immerhin als Anspieler gefiel, noch einmal eine gute Möglichkeit. Auch Josip Simunic hätte die Partie entscheiden können.

Wenn so viele Chancen vergeben werden, profitiert davon meist der Gegner doppelt. So auch gestern. Erst traf Slawo Freier die Latte, dann bedankte sich Frank Fahrenhorst nach einer knappen Stunde für eine unfreiwillige Kopfballvorlage des Herthaners Pal Dardai mit dem Ausgleichstor. „Und dann haben wir noch geflattert“, sagte Meyer.

Nun müssen also, siehe oben, alle Auswärtsspiele gewonnen werden. Am besten schon das Spiel am nächsten Sonnabend in Hamburg.

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