Sport : Der Ruf eilt voraus

Istaf will Dopingverdächtige nicht starten lassen

Friedhard Teuffel

Berlin - Nils Schumanns Erzählungen hatten schon nicht gut angefangen, ein Hund hatte ihn nämlich vor kurzem in die Wade gebissen, weshalb sich eine mögliche Rückkehr des lange verletzten 800-Meter-Olympiasiegers in die Weltspitze weiter verzögert. Und dann fand sich Schumann bei einer Pressekonferenz des Berliner Leichtathletik-Meetings Istaf auch noch in einer kleinen Befragung zum Doping wieder. „Darauf haben mich auch schon Journalisten in Belgien angesprochen“, sagte er.

„Darauf“, das sind angebliche Verbindungen Schumanns zu dem spanischen Arzt Miguel Angel Peraita, über die spanische Zeitungen berichtet hatten. Peraita war im E-Mail-Verkehr des inzwischen wegen Dopings einer Minderjährigen verurteilten Trainers Thomas Springstein als „Top Doc“ aufgetaucht. Spanische Zeitungen hätten berichtet, dass Schumann bei Peraitas Praxis in Madrid gesehen worden sei, wurde ihm vorgehalten. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagte Schumann. „Ich habe niemals die Grenze des Legalen überschritten.“

Gleichwohl sagte Schumann: „Ich kann nicht für alle meine Ärzte die Hand ins Feuer legen.“ Wie passt das zum neuen Kurs des Istaf, bei dem Schumann wieder starten will? Istaf-Geschäftsführer Gerhard Janetzky will schließlich auch das Umfeld der Athleten zur Verantwortung ziehen. „Bei Dopingfällen sollte auch der Trainer gesperrt werden“, sagte er und kündigte an, die 100-Meter-Olympiasiegerin Marion Jones nicht für das Istaf am 3. September im Olympiastadion einzuladen: „Sie zählt zum Kreis der Verdächtigen.“ Das liegt nicht nur an Indizien, die auf Doping hinweisen, sondern vor allem an ihrem Trainer. Trevor Graham betreut auch 100-Meter-Olympiasieger Justin Gatlin, der gerade eine positive Dopingprobe einräumen musste. „Schon vier Athleten Grahams sind überführt worden. Er ist ein amerikanischer Springstein. Da gilt eben die Sippenhaft“, sagte Janetzky. Ähnlich handelte gestern das Nationale Olympische Komitee der USA, das Graham aus allen Trainingszentren der USA ausgeschlossen hat.

Im vergangenen Jahr dachte Janetzky noch anders. Damals gab es schon Hinweise auf Manipulationen von Jones. Einige europäische Meetings verzichteten darauf auf die Sprinterin. Janetzky sagte jedoch: Solange es keine positive Probe gegen Jones und ihren Lebensgefährten, den ehemaligen 100-Meter-Weltrekordhalter Tim Montgomery, gebe, werde er den beiden den Start nicht verweigern. Mit Gatlin stand das Istaf bis Anfang Juli dieses Jahres in Kontakt, um über einen Start zu verhandeln, bestätigte Janetzky. Ob Gatlin dabei das Ergebnis einer positiven Dopingprobe gegenüber dem Istaf verheimlicht hat, ist nicht bekannt. Gatlin war im April positiv getestet worden, die Frage ist jedoch, wann er davon erfahren hat.

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