Sport : Der Saddam des Boxsports

Norbert Thomma

über das schlechte Ende von Mike Tyson Im alten Rom hätten sie ihn mit Bären kämpfen lassen, und er hätte sie niedergerungen. Einen Löwen? Her damit! Er hätte ihm ins Maul gegriffen und die Raubkatze umgestülpt wie einen alten Handschuh. Jeden Elefanten hätte er im Zirkus mit einem Schlag gegen die Stirn umgehauen, Old Shatterhand ist nichts dagegen.

Mike Tyson war ein Unhold, ein Urian, die furchterregendste Anhäufung von Muskeln und Knochen, die das Boxen je gesehen hat. Mit 20 Jahren Weltmeister im Schwergewicht, der jüngste aller Zeiten. Er brauchte nie lange für einen K.o. Erste Runde, zweite Runde … Die Gage von Boxern wird Kampfbörse genannt. Tysons Gegner bekamen ihr Geld fürs Kommen, eine Art Mutzulage, viel Kampf war nicht.

Mike Tyson war auch sonst kein feiner Mensch. Verurteilt wegen Vergewaltigung; alle Nas’ lang Prügeleien mit Polizeikräften; vor sieben Jahren biss er einem Kontrahenten ein Stück vom Ohr ab. Hätte es damals einen Imagetest gegeben mit Tyson und Saddam Hussein, Tyson hätte ihn verloren. Er taugt nicht für die Geschichte vom Underdog, der sich einen Platz in der Gesellschaft erboxt hat, gepflegt die Zinsen seines Vermögens verzehrend. Er ist kein Frazier, kein Foreman, schon gar kein Ali.

Viel mehr taugt „Iron Mike“ für die Geschichte, vom Dummkopf, den sie übertölpelt haben. 300 Millionen Dollar verdient, heute, mit 38, Schulden von 38 Millionen Dollar. Laurenz Meyer (CDU) gilt mit einem Monatsverdienst von 23 000 Euro als der am besten verdienende Politiker des Landes. Er müsste 12 233 Monate lang arbeiten, um Tysons Geld verjuxen zu können. Schon beeindruckend.

Jetzt ist Mike Tyson von einem auf die Bretter gestreckt worden, den kein Mensch kennt. Danny Williams, England. Als Mutzulage hatten sie diesem 250 000 Dollar gegeben. Das sagt alles über den Mann, vor dem jeder Boxer früher Angst hatte. Es werden keine schönen Nachrufe sein, die man irgendwann über Mike Tyson lesen wird.

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