Sport : Der SC Charlottenburg spielt in Friedrichshafen um den Titel

Helen Ruwald

Der Schiedrichter-Einsatzleiter des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV) muss sich nicht aus seinem Büro bewegen, um die beiden besten deutschen Teams spielen zu sehen. Es reicht, wenn er seinen Videorekorder anschaltet. Der SC Charlottenburg hat ihm nach dem 2:3 Ende Februar beim VfB Friedrichshafen eine Kassette mit den Höhepunkten des Spiels zugeschickt. Der SCC fühlte sich nämlich verschaukelt, das Video war das Beweismaterial, "damit es nicht heißt, dass wir nur gemosert haben", sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand.

Heute treten die Berliner im 1. Play-off-Finalspiel der Serie "Best of five" erneut beim VfB an und hoffen darauf, "dass die besten Kräfte eingesetzt werden" (Niroomand). Nicht auf, sondern neben dem Feld. Im Februar kochten die Emotionen hoch, als der SCC bei 2:1-Satzführung im vierten Durchgang den 23. Punkt machte, der Anschreiber ihn in seinem Protokoll aber für den Gegner notierte. Der SCC verlor Satz und Spiel.

Friedrichshafen gegen den SCC - das ist auch der Kampf zweier unterschiedlicher Modelle. Der SCC setzt ausschließlich auf deutsche Akteure, der VfB, der Meister der vergangenen beiden Jahre, auf internationale Topspieler. Vor wenigen Wochen unterlagen sie erst im Finale der Champions League Treviso, einer der weltbesten Vereinsmannschaften. VfB-Coach Stelian Moculescu ist gleichzeitig Bundestrainer und will nun gegen einen Großteil seiner eigenen Nationalmannschaft und seinen Co-Trainer Brian Watson den Titel gewinnen will. Moculescu ist kein Fan des Berliner Modells - er sorgte für reichlich Wirbel, als er Spielern wie Marco Liefke und Stefan Hübner zum Wechsel in die starke italienische Liga riet.

1999 wurde der SCC von Friedrichshafen im dritten Halbfinalspiel abgewatscht, verlor einen Satz zu Null und machte über eine halbe Stunde keinen Punkt. Inzwischen hat der SCC aufgeholt, haben Akteure wie Frank Dehne und Marco Liefke ihre Leistung stabilisiert. Niroomand glaubt trotz des sehr starken Gegners, "dass wir eine gute Chance haben, auch beim VfB zu siegen". Selbst wenn es nur zur Vizemeisterschaft reicht - die Saison ist hervorragend gelaufen. Der SCC ist Pokalsieger und steht erstmals seit dem Titelgewinn 1993 wieder im Endspiel. Die Aussage, Düren sei im Halbfinale kein allzu starker Gegner gewesen, ärgert Niroomand: "Wenn wir gut spielen, heißt es, die Bundesliga ist zu schlecht, wenn wir verlieren, ist das SCC-Modell gescheitert. Wir werden ständig zwischen Himmel und Hölle hin- und hergeschickt."

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