Sport : Der Schatten des Präsidenten

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Stefan Hermanns über eine

politische Entscheidung des DFB

Natürlich ist der Konföderationen-Pokal eine Supersache. Man müsste nur mal Ronald Maul von Hansa Rostock fragen. Oder Heiko Gerber vom VfB Stuttgart. Die verdanken diesem Wettbewerb ihre einzigen Länderspieleinsätze. Im Sommer 1999 war das, als Teamchef Erich Ribbeck mit einer so genannten Nationalmannschaft nach Mexiko reiste und dort für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) etwas gute Stimmung in Sachen WM-Bewerbung 2006 veranstalten sollte. Das Ganze hat ja auch funktioniert: Ein Jahr später bestimmte die Fifa, der Weltfußballverband, Deutschland zum WM-Ausrichter. Nur sportlich war der Plastik-Wettbewerb eine Katastrophe. Die richtigen Nationalspieler hatten keine Lust, mitten in der Saisonvorbereitung mal eben in Mexiko drei Spiele in sechs Tagen zu bestreiten. Und ihre Vertreter Maul und Gerber blamierten sich gegen Brasilien (0:4) und die USA (0:2) nach Kräften.

Man sollte meinen, der Deutsche Fußball-Bund hätte dem Konföderationencup nach dieser Erfahrung abgeschworen. Aber auf vernunftgeleitete Entscheidungen sollte man bei einem Verband, dessen Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder heißt, nicht unbedingt setzen. Der höchste deutsche Fußballfunktionär will die Nationalmannschaft im Juni 2002 zum Konföderationencup nach Frankreich schicken. Da freuen sich die Nationalspieler wahrscheinlich schon.

Am 24. Mai 2003 endet die Bundesligasaison, eine Woche später findet das Pokalfinale statt, danach reist die Nationalelf zum EM-Qualifikationsspiel nach Schottland, und am 11. Juni wäre mit der Begegnung gegen die Färöer die Nach-WM-Saison endlich vorbei. So sah bisher die Planung aus. Aber die Nationalspieler müssen ihren Urlaub wohl um zweieinhalb Wochen verschieben. Der Konföderationencup endet am 29. Juni.

„Der Schatten, den die Weltmeisterschaft 2006 bereits wirft, sollte uns zum Nachdenken veranlassen“, sagt Mayer-Vorfelder. Bisher sah die Denkrichtung eigentlich so aus, dass es eher zu viele Länderspiele gibt als zu wenige. Immer lauter jammern die Spieler über die zu hohe Belastung, und die Verletzungsquote ist am Anfang einer Saison fast genauso hoch wie am Ende, weil kaum Zeit zur Regeneration bleibt. Im Zweifel aber geht es für Mayer-Vorfelder um die nationale Sache. Deutschland trägt den Konföderationencup 2005 aus, und wenn die Nationalelf 2003 in Frankreich antritt, muss Frankreich zwei Jahre später in Deutschland auflaufen. So einfach ist das. Sollte Michael Ballack das anders sehen, könnte Rudi Völler ja immer noch Ronald Maul reaktivieren.

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