Sport : Der Schattenfechter

Kleibrink profitiert in Steglitz von Joppichs Fehlen

Moses März

Berlin - Noch vor dem Finale des Fechtturniers um den Steglitzer Pokal machte Benjamin Kleibrink Pläne für den restlichen Abend. „Im letzten Jahr waren wir nach dem Sieg noch ziemlich lange unterwegs“, sagte der 22-Jährige, „im Havanna, aber diesmal ist uns eher nach einer House-Party.“ Das Berliner Turnier ist für Kleibrink offenbar eine gute Gelegenheit, um ein bisschen Spaß zu haben. Auch sportlich, denn seine Startgemeinschaft aus Fechtern des OSC Bonn und des Königsbacher FSC Koblenz holte gegen den FC Tauberbischofsheim den Turniersieg (45:44). Im Finale agierte Kleibrink überragend, holte im letzten Gefecht fünf Punkte Rückstand auf und sicherte seinem Team mit dem letzten Treffer den Erfolg.

Dass Kleibrink sich schon vor dem Finale Gedanken darüber machen konnte, wie er seinen Sieg feiern würde, hat mehrere Gründe. Zum einen ist der 22-Jährige Zweiter der Weltrangliste, zum anderen hat die Saison noch nicht begonnen. Als Fechter muss Kleibrink, wie er sagt, „nicht so asketisch leben wie andere Leistungssportler“. Der wohl wichtigste Grund ist allerdings: Kleibrinks ewiger Konkurrent Peter Joppich ist nicht nach Berlin-Steglitz gereist. Auch wenn Kleibrink immer wieder betont, dass ihm das eigentlich egal sei, fällt es schwer, ihm das zu glauben. Joppich ist nicht nur Kleibrinks Trainingspartner und dreimaliger Weltmeister, er ist auch derjenige, der Kleibrink regelmäßig in wichtigen Gefechten schlägt.

Zuletzt im WM-Halbfinale in St. Petersburg, als Joppich 15:4 gewann. Das ZDF feierte Joppich anschließend als „Weltmeister mit dem Zeug zum Superstar“. Kleibrink blieb nur der Platz im Schatten von Joppich, der als blonder Schönling konsequent sein Sonnyboy- Image pflegt. Nachdem Joppich dreimal Weltmeister geworden ist, sei es doch selbstverständlich, dass er in seinem Schatten stehe, findet Kleibrink. Daran kann er erstmal nichts ändern, solange er keine großen Titel gewinnt. Beruhigen kann er sich aber damit, dass er den drei Jahre älteren Joppich auch schlagen kann. Im Training, in dem sie zusammen unter Nationaltrainer Uli Schreck fechten, kann er das jeden Tag beweisen. „Es aber auch im Wettkampf zu zeigen, ist etwas völlig anderes“, sagt Kleibrink. Im entscheidenden Moment wie bei der diesjährigen deutschen Meisterschaft, als er nach einer 11:4-Führung noch mit 14:15 verlor, fehlte ihm immer wieder die mentale Stärke. „In diesem Bereich habe ich etwas aufzuholen, wenn ich mich dem Optimum annähern will“, stellt Kleibrink fest. In Steglitz fing er offensichtlich bereits damit an.

Das sportliche Optimum will er bei den Olympischen Spielen erreichen, für die er bereits qualifiziert ist. „Weltmeister kann man jedes Jahr werden, wer aber bei Olympia gewinnt, gewinnt für immer“, sagt Kleibrink. Um das zu erreichen, muss er ein paar Monate vor der Reise nach China auch seinen Lebenswandel ändern: „Dann kann man sich nicht mehr einfach so ein paar Bier hinter die Binde kippen.“

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