Sport : Der schlaue Taktiker

Nach einigen Rückschlägen ist Stefan Schumacher zum besten deutschen Radprofi aufgestiegen

Hartmut Scherzer[Frankfurt am Main]

Stefan Schumacher ist kein Shooting Star mehr. Erst recht nicht seit Sonntag, seit seinem Triumph beim Amstel Gold Race in den Niederlanden auf der Rennstrecke von Maastricht nach Valkenburg. Dort ließ der 25 Jahre alte Mann vom Team Gerolsteiner die Weltelite hinter sich. Dieser Erfolg unterstreicht nur: Schumacher ist mittlerweile aktuell der erfolgreichste deutsche Radprofi.

Der Schwabe mit dem kahlen Kopf und dem bärtigen Kinn hat die harten Lehrjahre gemeistert. Er hat den Abstieg vom Telekom-Talent zu drittklassigen Teams wie Lamonta und Shimano-Memory Corp in den Niederlanden ebenso verkraftet wie seinen ominösen Dopingfall: Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt im Mai 2005 wurde Schumacher positiv getestet. Es handelte sich dabei jedoch um eine zuvor vom niederländischen Verband genehmigte Einnahme eines Antiallergikums wegen einer Pollenallergie. Schumacher wurde im August 2005 freigesprochen.

Wahrscheinlich wird Schumacher nun für die deutschen Fans die Attraktion im 46. Radklassiker „Rund um den Henninger Turm“ am 1. Mai in Frankfurt sein. Der Sohn eines Arzt-Ehepaares aus Nürtingen hat sich das auch verdient. Schumacher ist ein schlauer Taktiker, das wurde beim Amstel Gold Race deutlich. Am Sonntagvormittag hatte er in Maastricht vor dem Start angekündigt, dass sich die entscheidende Spitzengruppe an einem Hügel 20 Kilometer vor dem Ziel formieren werde. Als keiner angriff, ergriff er an der Schlüsselstelle selbst die Initiative. Das verbundene linke Knie vom schweren Sturz bei der Baskenland-Rundfahrt behinderte ihn nicht mehr. „Es geht“, teilte er über Funk seinem Sportlichen Leiter Christian Henn mit. Seine Attacke hatte die Spitzengruppe von sieben prominenten Fahrern zur Folge. Da er es auf keinen Bergsprint ankommen lassen wollte, trat er, nach Absprache mit seinem Kapitän Davide Rebellin schon zwei Kilometer vor dem Ziel an – und enteilte allen.

Er habe dazugelernt, sagte Schumacher nach dem Sieg. „Früher wollte ich allen anderen in jedem Rennen zeigen, dass ich der Beste bin. Heute will ich gewinnen.“ Das gelang ihm schon 2006 in seinem ersten Jahr beim Team Gerolsteiner. Zwei Etappensiege beim Giro d’Italia erreichte Schumacher da, zudem gewann er die Polen-Rundfahrt. Insgesamt siegte Schumacher sieben Mal bei der Pro Tour. Am Ende der Saison lag er auf Platz zehn in der Gesamtwertung der Tour 2006.

Hans-Michael Holczer, der Teamchef von Gerolsteiner, urteilt über seinen Spitzenfahrer: „Er ist unser erfolgreichster Fahrer und in seiner Generation einer der Besten überhaupt.“ Stefan Schumacher könne „eigentlich alles“, schwärmt. Holczer. „Im Zeitfahren ist er gut. Er kann in einer großen Gruppe gut sprinten und ganz vorne landen. Speziell in Bergen wie den Ardennen kann er andere zum Weinen bringen.“ Seine Fähigkeiten im Hochgebirge stehen bei seinem Debüt bei der Tour de France im Sommer auf dem Prüfstand.

Das wahre Saisonziel von Stefan Schumacher aber liegt vor seiner Haustür: die Straßenweltmeisterschaft am 30. September in Stuttgart. Ein Heimspiel. „Dafür bin ich motiviert wie für kein anderes Rennen“, sagt Stefan Schumacher, „zumal mir der Kurs liegt“. Denn der hat ein Streckenprofil, das dem in der Provinz Limburg zwischen Maastricht und Valkenburg sehr ähnlich ist.

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